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Autonomer Drogeninfostand

Drogenautonomie.info
Autonomer Drogeninfostand
14 Std. ·

Safer Sniffing

Redaktion Webteam www.eve-rave.net Berlin
Pressemitteilung vom 19. Februar 2005
Wer Drogen konsumiert, sollte die Risiken kennen. Die Risiken liegen oft nicht in den pharmakologischen Eigenschaften der Substanzen begründet, sondern in der Art der Einnahme. So weiß fast jeder Fixer, daß der gemeinsame Gebrauch von Spritzbestecken ein hohes Infektionsrisiko mit sich bringt. Doch die wenigsten Menschen, die Kokain oder Speed schnupfen, wissen, daß auch der gemeinsame Gebrauch von Schnupfutensilien ebenfalls ein Infektionsrisiko darstellt. In dieser Pressemitteilung wird analog zu “safer sex” die Praxis zu “safer sniffing” [sicherer schniefen, auch sicherer sniefen] dargelegt und auf die Risiken beim Schniefen hingewiesen.

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http://www.eve-rave.net/presse/presse05-02-21.pdf

Die Nase
Die Nase ist das Eingangstor der Atemwege. Die Atemwege sind als Leitungsweg der Atemluft und zur Vorbereitung des Gas-austausches in der Lunge von großer Bedeutung.
In den Nasenlöchern verhindern nach unten wachsende Haare das Eindringen von größeren Partikeln in das innere der Nasenhöhle.
In der Nasenhöhle erfolgt die Anwärmung der Luft. Weitverzweigte Blutgefäßgeflechte in der Nasenschleimhaut strahlen ihre Wärme an die vorbeistreichende Luft ab und sorgen dabei auch für die Anfeuchtung der Luft.
Wieviel Feuchtigkeit die Atemluft den Schleimhäuten normalerweise entzieht, kann man an der raschen Austrocknung der Mundhöhle bei längerer Mundatmung feststellen.

Der Riechsinn

Das Riechen ist eine äußerst komplexe Sinneswahrnehmung, die an das Funktionieren einer Vielzahl von Nervenzellen gebunden ist. Menschen können mehrere tausend Düfte wahrnehmen und unterscheiden. Durch die enge Assoziation mit Gefühlen trägt das Riechen respektive der Geruchssinn maßgeblich zur Lebensqualität bei.
Die Riechzellen in der Nase sind sogenannte primäre Sinneszellen, die direkt in den Riechkolben [Bulbus olfactorius] hineinreichen.
Die Zellkörper [Somata] der Riechzellen liegen in der Riechschleimhaut [Riechepithel], die den oberen Nasengang, den obere Teil der Nasenscheidewand [Septum] und den mittleren Bereich der Nasenmuschel bedeckt.

Riechsinneszellen sind regenerationsfähig und erneuern sich in etwa alle zwei bis fünf Tagen, was im menschlichen Körper einmalig für sensorische Nervenzellen ist.
Die Riech-schleimhaut bedeckt in der Nase nur eine Fläche von etwa zwei bis vier Quadratzentimeter.
In der Riech-schleimhaut befinden sich zwischen 10 und 30 Millionen spezialisierter Sinneszellen [olfaktorische Rezeptorzellen]. Neben den olfaktorischen Rezeptorzellen besteht die Riech-schleimhaut aus anderen Hilfszellen wie Stütz- und Basalzellen. Außerdem befinden sich Drüsen [Glandulae olfactoriae] und Blutgefäße in der Riechschleimhaut. Die olfaktorischen Nervenzellfortsätze [Dentriten] werden, nachdem sie durch die Basalmembran gezogen sind, von Schwannzellen [Gliazellen, die alle Axone des peripheren Nervensystems umhüllen] gruppenförmig umschlossen. Die gebündelten Nerven [Axone] werden als Fila olfactoria bezeichnet und ziehen durch kleine Knochenöffnungen in der Schädelbasis zum Gehirn, wo sie als Riechnerv [Nervus olfactorius] zum Riechkolben [Bulbus olfactorius] ziehen.

Der Riechkolbben liegt an der Basis des Stirnhirns [primäres Riechzentrum]. Er wird vornehmlich aus den Nervenfortsätzen der primären Sinneszellen der Riechschleimhaut gebildet. Im Riechkolben findet die erste Verarbeitung der Sinnesreize statt. Von dort werden sie an die Riechbahn [Tractus olfactorius] weitergeleitet. In dieser zentralen Bahn verlaufen gebündelte Nervenfasern [Mitralzellen] zum sekundären Riechzentrum im Schläfenhirn. Dieses Zentrum ist für die Wahrnehmung von Gerüchen sowie für die Assoziation zu anderen Sinneszellen verantwortlich. Es werden auch Verbindungen zum limbischen System und an die vegetativen Zentren in Thalamus und Hypothalamus geknüpft. Auf diesem Weg erhalten Gerüche emotionale und affektive Auswirkungen.

Bei Riechstörungen kann man qualitative und quantitative Veränderungen unterscheiden. Bei den “qualitativen Riechstörungen” können falsche [Parosmie] oder halluzinatorische [Phantosmie] Wahrnehmungsstörungen unterschieden werden. Bei den viel häufigeren “quantitativen Riechstörungen” unterscheidet man eine verminderte [Hyposmie], aufgehobene [Anosmie] oder übersteigerte [Hyperosmie] Geruchswahrnehmung. Ursachen von Riechstörungen sind u.a. chronische Entzündungen im Bereich der Nase und der Nasennebenhöhlen, postvirale Störungen im Anschluß an akute virale Infekte der Atemwege und vor allem auch toxische Störungen bei Schädigung des Riechepithels oder der gebündelten Nerven [Fila olfactoria] bei chemischen Einwirkungen durch ätzende Dämpfe oder durch die nasale Einnahme von Stoffen wie Kokain oder Amphetamin.
Riechstörungen beeinträchtigen die Lebensqualität in einem erheblichen Maße.
Wenn man sich und/oder andere nicht mehr riechen kann, dann fehlt einem eine wesentliche sensorische Orientierung. Menschen, die sich nicht riechen können [oder mögen], fallen oft durch einen übermäßigen Gebrauch von Parfüm respetive parfümierten Körperpflegemittel auf.

Quelle u.a.: http://www.medizin.uni-koeln.de/kliniken/…/Patinfo_riech.htm

Schnupfen und andere Nasenerkrankungen

Der akute Schnupfen [Rhinitis] entsteht durch Ansteckung vor allem durch Rhinoviren, aber auch durch diverse andere Viren, oder durch Überempfindlichkeit gegenüber bestimmten Stoffen [Allergie, z.B. Heuschnupfen].
Als Erkältungskrankheit tritt der Schnupfen meist nach Durchnässungen und längeren Unterkühlungen, nach Aufenthalt in überheizten Räumen, bei zu warmer Kleidung und mangelnder Gewöhnung an Temperaturschwankungen auf. Diese Umstände begünstigen eine Infektion mit den allgegenwärtigen Viren. Die Viren werden von Mensch zu Mensch durch kleinste Tröpfchen [Anhusten, Atmen, Sprechen, Niesen] übertragen. Zunächst nisten sich die Erreger in der Nasenschleimhaut ein und vermehren sich. Nach etwa zwei Tagen kommt es zu den typischen Schnupfensymptomen.
Aus der Virusinfektion mit wäßriger Absonderung entwickelt sich oft durch sekundäre Mischinfektionen ein schleimiger und eitriger Schnupfen. Ein akuter Schnupfen ist nicht selten auch ein Initialsymptom einer anderen Infektionskrankheit wie beispielsweise die Virusgrippe.
Der chronische Schnupfen tritt meist nach mehrfachem akuten Schnupfen auf. Durch Volumenzunahme der entzündeten Schleimhäute und vermehrter Schleimabsonderung wird die Nasenatmung behindert oder gar ganz verhindert.
Ursache sind nicht selten physikalische oder chemische Schadstoffe [Noxen].
Die Stinknase [Ozaena; Rhinitis atrophicans cum foetore] ist gekennzeichnet von einer Rückbildung [Atrophie] der Nasenschleimhaut und einer starken Vergrößerung der Nasenhöhle in Verbindung mit einer Borkenbildung.
Die bräunlich-grünen borkigen Beläge zersetzen sich und sondern dabei überlriechende Sekrete ab.
Da die erkrankten Personen wegen des Verlustes des Geruchssinnes den widerwärtigen Geruch der Sekrete selbst nicht wahrnehmen, führt die Krankheit nicht selten zur sozialen Isolation.
Die Stinknase ist eine sehr seltene Form des chronischen Schnupfens [chronische Schleimhautentzündungen] und tritt beispielsweise in Verbindung mit syphilitischen Katarrhen und Geschwüren auf.
Häufig ist jedoch die Ursache der Erkrankung nicht bekannt.
Bei der Haarbalgentzündung [Follikulitis] sieht man stecknadelkopfgroße Eiterbläschen, durch die ein Haar hindurch tritt. Meistens ist eine Rötung in der näheren Umgebung der Eiterbläschen zu sehen.
Besonders häufig wird die Bartgegend, das Gesäß und die Nase von einer Haarbalgenentzündung in Mitleidenschaft gezogen. Ursache ist oft eine kleine Verletzung.
Eine heftige Haarbalgenentzündung kann zur Bildung eines Furunkels führen. Unter Furunkel versteht man eine tiefreichende, schwere Entzündung an den Haarfollikeln, die mit einer Eiterpfropfbildung einhergeht.
Bei einer großflächigen und besonders starken Entzündung mehrerer Haarfollikel spricht man von einem Karbunkel. Von besonderer Bedeutung sind die Oberlippen- und Nasenfurunkel, da im Augen-Nasen-Winkel über ein kleines Blutgefäß eine direkte Verbindung zu großen Hirngefäßen besteht.
Das Übergreifen einer Entzündung kann in seltenen Fällen zu einer Hirnthrombose führen. Verletzungen in der Nase können somit schwerwiegende gesundheitliche Komplikationen auslösen.

Schnupfmittel und Schnupfpulver

Schnupfmittel sind Arzneimittel, die bei Erkrankungen [u.a. der Nase] in kleinen Mengen, sogenannten Prisen, eingeschnupft werden. Neben Menthol ist der Nieswurz [Hellebori rhizoma] eines der am längsten gebrauchten Schnupfmittel. Hierbei wurde der Schwarze Nieswurz [Helleborus niger], auch unter dem Namen Christrose bekannt, und der Grüne Nieswurz [Helleborus viridis] am häufigsten verwendet. Aus den Wurzeln dieser Nieswurzpflanzen wird Niespulver hergestellt, daß wegen der schleimhautreizenden Wirkung des Wirkstoffes Helleborin nach dem Schnupfen [Schniefen, Sniefen] einen heftigen Niesreiz auslöst. Beim kräftigen Niesen wird die Nase vom Schleim des Schnupfens befreit.

Das bekannteste und traditionsreichste Schnupfpulver ist der Schnupftabak. Schon bei den Ureinwohnern Amerikas, den Indianern, war der Tabak eine Kulturpflanze, aus der sie Schnupftabak herstellten. Auf seiner zweiten Entdeckungsreise (1494-1496) bemerkte Christoph Kolumbus, wie die Indianer dieses Pulver schnupften und brachte dann Tabak in Pulverform nach Europa. Schnell wurde der Schnupftabak in der königlichen Gesellschaft Spaniens und Frankreichs populär. Bald danach wurde der Schnupftabak auch in England zu einer beliebten Passion der Aristokratie und bis Mitte des 19. Jahrhunderts übertraf die Herstellung von Schnupftabak die Produktion von rauchbarem Tabak. Ärzte verschrieben Schnupftabak als Heilmittel gegen Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Zahnschmerzen, Husten und Erkältungen. Heute wird Tabak vorwiegend nur noch geraucht. Da Raucher jedoch derzeit seitens der Politik und bestimmter gesellschaftlicher Kreise immer mehr diskriminiert werden, kommt das Schnupfen von Tabak neuerdings wieder mehr und mehr in Mode.

Heute werden außer Schnupftabak auch diverse andere Substanzen durch die Nase [nasal] eingenommen.
Vor allem das Schnupfen von Kokain ist heute in den unterschiedlichsten Gesellschaftskreisen eine weit verbreitete Mode.
Früher wurde Kokain vor allem von Künstlern und Forschern geschnupft.
Heute hingegen wird Kokain vornehmlich von Managern, Politikern, Medienleuten und anderen sogenannten “prominenten Personen” konsumiert, so in noblen Cocktail-Bars, im Umfeld von Opernhäusern und Theatern, in Nachtklubs, in Bordellen und natürlich auch im Büro und im privatem Bereich.

Seit Amphetamin [Speed] und Methamphetamin [Crystal] nicht mehr rezeptfrei in der Apotheke erhältlich sind, werden diese Substanzen auf dem Schwarzmarkt eingekauft.
In den Apotheken wurden diese Stimulanzien zumeist in Tablettenform abgegeben, auf dem Schwarzmarkt werden sie jedoch meistens in kristalliner Form angeboten. Deshalb werden Amphetamin und Methamphetamin heute auch zumeist nasal eingenommen. Der Konsum von Amphetamin ist inzwischen so weit verbreitet, daß er nicht mehr einer speziellen gesellschaftlichen Gruppierung zugeordnet werden kann.

Die klassische Art des Schnupfens

Das klassische Schnupfenvon Schnupftabak ist eine Kunst für sich. Zuerst wird die Schnupfhand zu einer Faust geballt, wobei der Daumen ausgespreizt bleibt. In der Höhlung die zwischen dem Daumen und dem Handrücken entsteht, wird ein etwa erbsengroßes Häufchen Schnupftabak gestreut. Nun wird der Schnupftabak abwechselnd in das linke und rechte Nasenloch angesogen. Im Einzelnen:

1. Schnupftabak auf den Handrücken oder auf die Fingerkuppe schütten.
2. Den Schnupftabak sachte anziehen. Zieht man zu stark, gelangt der Schnupftabak bis in den Rachen, was sich nicht angenehm anfühlt. Sehr leichtes Ziehen bringt den Schnupftabak in die untere Nasenhälfte und man kann vor allem den “guten Geschmak” des Tabaks genießen. Stärkeres Ziehen befördert den Tabak tiefer in die Nasenhöhle, womit eine bessere Wirkung erzielt werden kann.
3. Tief durchatmen und die Wirkung genießen. Vor allem Nichtraucher werden die pharmakologische Wirkung des Tabaks [Nikotins] spüren.
4. Zum Schluß muß der Tabak natürlich wieder raus aus der Nase. Deshalb sollte man immer ein großes Taschentuch dabei haben, wenn man gewillt ist, Tabak zu schnupfen. Nach dem Abflauen der Wirkung wird der Tabak dann einfach rausgeschnäuzt.

Sniffing – die moderne Art des Schnupfens

In gutbürgerlichen Kreisen wird zumeist edles Schnupfwerkzeug zum Schniefen von Kokain verwendet. Als Unterlage dienen spezielle Kristallspiegel, kleine Marmorplatten oder kleine Edelstahltabletts. Zum Ansaugen [Ziehen] der Substanz werden Schnupfröhrchen aus Edelstahl, Elfenbein oder Glas gebraucht. Zum Zerhacken der Substanz gibt es spezielle kleine Messer. Auch kleine Taschenmesser mit integriertem Schnupflöffel sind recht gebräuchlich. Schnupfutensilien gibt es heute nicht nur im Fachhandel [Haedshops], sondern auch im gut sortierten Schreibwarenhandel – vornehmlich an Bahnhöfen.

Das sogenannte “einfache Volk” und Jugendliche nutzen meistens Plastikkarten [Telephonkarten, Kreditkarten] als Unterlage wie auch zum Zerhacken der Substanz und gerollte Banknoten oder abgeschnittene Kunststoffstrohhalme als Schnupfröhrchen. Der Gebrauch von Rasierklingen zum Zerhacken ist heute nicht mehr so gebräuchlich wie noch vor zehn oder zwanzig Jahren. Die Schritte im Einzelnen der Zubereitung und des Schniefens bei der modernen Art des Schnupfens [Sniffing] sind:

1. Die Substanz in kristalliner und pulverisierter Form wird auf die Unterlage geschüttet respektive der Stein [Rock] bei nicht pulverisiertem Kokain wird auf die Unterlage gelegt. Vom Stein wird mit einem kleinen Messer die zu konsumierende Menge abgerieben, so daß diese dann in pulverisierter Form auf der Unterlage zu liegen kommt.
2. Mit einem kleinen Messer oder mit einer Plastikkarte wird die Substanz zermahlen, indem mit kräftigem Druck unter den flach aufgelegten Messer oder der Plastikkarte die Substanz zerrieben wird. Danach wird die Substanz noch zu einem sehr feinen Pulver kleingehackt. Anschließend wird das Pulver zum Genuß in Linien [Lines] angerichtet. Diesen Vorgang nennt man auch “anrüsseln”, ist der Vorhang beendet, sagt man: “Es ist angerüsselt”.
3. Vor dem eigentlichen Schnupfvorgang sollte die Nase geputz werden. Im allgemeinen reicht das Schnäuzen in ein Taschentuch, manchmal, vor allem bei trockener Nase, empfiehlt es sich, diese von innen mit einem feuchten Papiertaschentuch nochmals zu reinigen und dabei auch anzufeuchten.
4. Nun folgt der eigentliche Schnupfvorgang. Die Substanz sollte sachte, jedoch nicht zu sachte reingezogen werden. Zieht man zu stark, gelangt die Substanz bis in den Rachen, was sich oft unangenehm anfühlt und einen heftigen Hustenreiz auslösen kann. Zu leichtes Ziehen bringt die Substanz nur in die untere Nasenhälfte. Dort befinden sich keine feuchte Schleimhäute und die Substanz kann nicht richtig vom Körper aufgenommen [absorbiert] werden. Mittelstarkes Ziehen befördert die Substanz tiefer in die Nasenhöhle, womit eine bessere Wirkung erzielt werden kann.
5. Fünf bis zehn Minuten nach dem Schnupfvorgang sollte die Nase wieder durch Schnäuzen oder mittels eines feuchten Taschentuches gereinigt werden, um allfällige Streckmittel aus der Nase zu entfernen. Dies gilt vor allem nach dem Konsum von Amphetamin [Speed], da Amphetamin, das auf dem Schwarzmarkt feilgeboten wird, nicht selten bis zu 90% oder mehr Streckmittel enthält. Bei Kokain liegt der Anteil an Streckmitteln meistens deutlich unter 40%, bei Methamphetamin sehr oft sogar unter 10%.

Safer Sniffing – sicherer Schnupfen

Psychotrope Substanzen, die geschnupft werden, bleiben an den Membranen der Schleimhäute kleben, wo sie sich sehr schnell auflösen und vom Körper absorbiert werden, um dann durch die feinen Adern, die sich dort befinden, direkt ins Blut zu gelangen. Das Blut transportiert dann die Substanzen ins Gehirn, wo diese ihre Wirkung zur Entfaltung bringen. Jeder Schnupfvorgang trocknet die empfindlichen Schleimhäute aus. Um größere Schäden beim Schnupfen zu verhindern, gibt es mehrere Verhaltensregeln, um das Risiko eines Schaden zu vermindern [Harm Reduction]. Diese Regeln haben viele Gemeinsamkeiten mit den Regeln von “Safer Sex” und “Safer Use”. Beim Safer Sex gilt vor allem die Regel, daß beim sexuellen Akt ein Kondom benutzt, beim Safer Use gilt, daß bei der intravenösen Applikation von psychotropen Substanzen niemals das gleiche Spritzbesteck von mehreren Personen gebraucht werden sollte, um das Risiko einer Infektion zu minimieren. Analog gilt, daß beim Safer Sniffing niemals das gleiche Schnupfröhrchen von mehreren Personen gebraucht werden sollte, da beim gemeinsamen Gebrauch des selben Schnupfröhrchens Krankheitserreger von Mensch zu Mensch übertragen werden können. Folgende Punkte sind beim Safer Sniffing zu beachten:

1. Generell ist auf Sauberkeit und Hygiene zu achten. Dies gilt insbesondere, wenn im Toilettenbereich eines Lokals geschnupft wird, da bekanntermaßen in diesem Bereich vermehrt mit dem Vorhandensein von Krankheitserregern gerechnet werden muß. Dies gilt insbesondere in Sex-Klubs.
2. Die Nase ist vor dem Schnupfvorgang stets gut durch Schnäuzen von Schleim zu befreien und die Nasenlöcher sind vor allfälligen verkrusteten Partikeln zu befreien. Stark verstopfte oder verschmutzte Nasen werden am besten mit einer milden Kochsalzlösung gründlich durchgespült. Am besten ist es, eine Salzlösung von einem halben Teelöffel Salz in einer Tasse mit lauwarmen Wassers zu bereiten und diese Lösung dann von den in der Lösung zuvor eingetunkten Fingerspitzen zu schnupfen, bei Bedarf auch heftig und bis tief in den Rachen. Auf jeden Fall ist ratsam, die durch nasalen Drogengebrauch ausgetrockneten Schleimhäute regelmäßig hinreichend zu befeuchten. Auf die Verwendung von Nasenspray sollte in diesem Zusammenhang möglichst verzichtet werden, da diese die Nasenschleimhäute noch zusätzlich austrocknen.
3. Die Linien [Lines] müssen gut vorbereitet werden. Die Substanz ist – bevorzugt auf einem sauberen, frisch polierten Spiegel oder auf einer anderen trockenen, glatten Oberfläche – zu einem möglichst feinen Pulver zu zerkleinern. Je feiner das Puder ist, desto geringer ist das Risiko, daß größere Partikel der Substanz in den Nasenhaaren hängen bleiben oder anhaften und in der Folge die Nasenschleimhäute schädigen können.
4. Das Röhrchen sollte sauber sein und keine scharfen Kanten haben. Gerollte Banknoten sind nicht empfehlenswert, denn Banknoten sind nicht nur oft äußerst schmutzig, sondern sind auch mit sehr giftigen Farben bedruckt. Die Farben des 10-Euro-Scheins enthalten beispielsweise zinnorganische Verbindungen wie Tributylzinn [TBT], Mono- und Dibutylzinn sowie Monooktylzinn. Zinnorganische Verbindungen sind sehr giftig, bereits unvorstellbar kleine Mengen genügen, um das Immun- und Hormonsystem zu beeinträchtigen. Daher sollte man diese ‘coole’ Methode, die oft in Filmen gezeigt wird, lieber vergessen und sich besser für jeden Sniff ein neues Röhrchen aus einem sauberen Stück Papier rollen. Auch Kunststoffstrohhalme sind ungeeignet, besonders, wenn die Strohhalmstücke mit einem Messer abgeschnitten wurden, da die Schnittstellen oft äußerst scharfkantig sind und so die Gefahr besteht, sich mit dem Schnupfrohr in der Nase zu verletzen.
5. Das Röhrchen sollte nie mit anderen gemeinsam gebraucht werden. Nicht nur beim Sex oder beim geminsamen Gebrauch von Spritzbestecken, sondern auch beim gemeinsamen Gebrauch von Schnupfröhrchen können Hepatitis-Viren von einem Menschen auf den andern übertragen werden, insbesondere wenn die Nasenschleimhäute verletzt sind und geringfügige Blutspuren am Röhrchen anhaften. Auch diverse andere Infektionskrankheiten können beim gemeinsamen Gebrauch von Schnupfutensilien übertragen werden. Mehr zum nasalen Infektionsrisiko mit bestimmten Krankheitserregern wird weiter unten dargestellt.
6. Etwa zehn Minuten nach dem Schnupfen sollte die Nase nochmals gereinigt werden. Im allgemeinen reicht ein Schnäuzen in ein Taschentuch. Bei stark verschmutzter Nase ist eine Reinigung mit einer Salzwasserlösung angesagt. Da das Innere der Nase aus einer sensiblen mit Haaren besetzten Schleimhaut besteht und beim Schnupfen ein Teil des Pulvers an diesen Haaren hängen bleibt, kann es durch diese Anhaftungen zu blutigen Hautreizungen sowie zum Absterben von Zellen [Nekrosen] kommen. Heftige Nekrosen können zum Durchbruch der Nasenscheidewand führen. Blutige Hautreizungen in der Nase führen nicht selten zur Bildung von Furunkel, in extremen Fälllen auch zur Bildung von Karbunkel.
7. Ist ein Nasenloch blutig oder hat sich in einem Nasenloch ein Furunkel oder Karbunkel gebildet, sollte dieses Nasenloch auf jeden Fall von der Zuführung von psychotropen Substanzen verschont werden. Bei einem chronischen Schnupfen sollte generell auf die nasale Applikation von Substanzen versichtet werden, da die Gefahr von zusätzlichen Infektionen sowie der Bildung von Furunkel als beträchlich respektive sehr groß angesehen werden muß.
8. Eine zu häufige nasale Applikation von psychotropen Substanzen kann zur Schädigung der Riechschleimhaut führen und den Riechsinn beeinträchtigen. Da die betroffenen Personen dies zumeist nicht selbst bemerken [riechen], erfahren sie dies erst, wenn sie von anderen Personen auf ihren starken Körpergeruch oder auf ein Stinken in ihrer Wohnung aufmerksam gemacht werden. Jemanden, der gegelmäßig schnupft, auf ein Stinken aufmerksam zu machen, ist keine Beleidigung, sondern ein konstruktiver Beitrag zur Erhaltung der Gesundheit. Wer regelmäßig schnupft und auf ein Stinken in seinem Umfeld aufmerksam gemacht wird, sollte für diesen Hinweis dankbar sein und eine Konsumpause einlegen. Riechzellen sind regenerationsfähig. Nach einer Konsumpause von wenigen Tagen haben sich die Riechzellen in den meisten Fällen so weit regeneriert, daß die Beeinträchtigung nicht mehr besteht. Bei einer fortgesetzten und lang andauernden Schädigung der Riechzellen trifft dies allerdings nicht zu. Eine zu weit fortgeschrittene Nekrose der Riechschleimhaut ist unumkehrbar [irreversibel], das heißt, daß ab einem bestimmten Grad der Zersörung der Riechschleimhaut eine Neubildung von Riechzellen nicht mehr möglich ist.
9. Die Nase ist weit mehr als ein fleischiger Aufsatz im Gesicht mit zwei Löchern, durch die die Atemluft strömt und in die man Schnupfröhrchen stecken kann. Die Nase hat vielfältige Funtionen, deren Beeinträchtigung zu einer spürbaren Minderung der Lebensqualität führen kann. Deshalb sollte jeder, der seine Nase zur Applikation von Substanzen nutzt, seine Nase pflegen. Zur Nasenpflege gehört beispielsweise das sorgsame Auftragen von reinen Naturölen mittels eines Wattestäbchens oder eines Papiertaschentuches. Dabei muß man das Öl in den Nasenhöhlen sanft verteilen und dabei auch die Region unterhalb der Nase nicht vergessen. Denn auch dort kann es beim Schnupfen zu lästigen Hautreizungen kommen. Herkömmliche Nasensprays oder Nasentropfen sind nicht unbedingt zu empfehlen, da viele dieser Mittel zu einer Austrocknung der Schleimhäute führen und einige haben sogar ein Abhängigkeitspotential. Hält trotz der Pflege ein unangenehmes Brennen an, so sollte man eine Schnupfpause einlegen. Bei immer wiederkehrendem Nasenbluten oder fortgesetzter Bildung von Furunkel in der Nase, sollte man ebenfalls mit der nasalen Applikation von Substanzen aufhören und einen Arzt aufsuchen!

Einige Textpassagen in den oben aufgeführten Punkten wurden dem Protokoll des Sonics-Seminars in Köln vom 7. bis 9. Februar 2003 entnommen. Es handelt sich hierbei um das Protokoll der Arbeitsgruppe “Safer-Clubbing”, Arbeitsbereich “Safer Sniffing”, das von dem Leiter der Arbeitsgruppe Tim Jake Gluckmann [Eve & Rave NRW e.V. Köln] verfaßt wurde. Zudem wurden einige Passagen aus dem Text “Safer Sniffing” von Jonny Theisen aus Luxemburg und der Gruppe JES Bielefeld e.V. übernommen.

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