Wolfgang lässt schön grüßen

üben, üben, üben

Family Nikel Pallat

Wenige Wochen nach Ihrem 85.Geburtstag ist Gabriele Cantate Pallat am 31.Mai 2017 an ihrem langjährigen Wohnort in Freiburg i.Br. gestorben. Gabriele Pallat war die Nichte von Adolf Reichwein, Enkelin von Annemarie und Ludwig Pallat, den Schwiegereltern Adolfs, die vier Kinder hatten: Rosemarie,Rolf,Marianne und Gabrieles Vater Peter. Ihr Großvater mütterlicherseits war der bekannte Berliner Arzt und Ethnologe, Direktor am Völkerkundemuseum, Karl von den Steinen (1855-1929), seine Frau Eleonore, geb. Herzfeld, war Jüdin. Gabriele Pallat wurde 1932 in Jena geboren, als Tochter von Peter Pallat(1901-1992) und Ursula,geb.von den Steinen. Ihr jüngerer Bruder Nikolaus kam 1945 zur Welt. In den 57 Tagebüchern Annemarie Pallats wird Enkelin Gabriele gleich an mehreren Stellen erwähnt, z.B. als sie im Sommer 1944 die Ferien bei der Großmutter Annemarie in Göttingen verbringt. Beim Bombenangriff auf Freiburg 1944 wird Gabriele 12-jährig mit ihrer schwangeren Mutter in Freiburg ausgebombt und Annemarie Pallat bleibt längere Zeit in Ungewissheit darüber, wie es der „Freiburger Familie“ geht. Gabriele muss in dieser Zeit erleben, wie ihre Großmutter Eleonore nur knapp der Deportation nach Theresienstadt entkommen konnte. Bruder Nikolaus, 13 Jahre jünger, wurde in eine ganz andere Welt   hineingeboren. Er war ein vehementer Kritiker der bundesrepublikanischen Verhältnisse Nikolaus, genannt Nikel Pallat, Mitglied der hoch-politischen Band Ton Stein Scherben um Rio Reiser, der auch schon einmal bei einer denkwürdigen  Fernsehtalkshow 1971 mit einem Beil einen Tisch zerschlug; ein sehr ungleiches Geschwisterpaar. Aufgewachsen ist Gabriele Pallat in Stuttgart, Berlin und Freiburg, in einem Elternhaus, in dem Vielseitigkeit und Kreativität angesagt waren. Ihr Vater, von Beruf eigentlich Architekt, war nebenbei einer der ersten deutschen Spiele-Erfinder. Seine Ludographie zwischen 1922 und 1996 umfasste mehr als 20 erfolgreiche Gesellschaftsspiele. Seine Tochter hat wohl etwas von dieser Offenheit verinnerlicht. Die gelernt Buchhändlerin arbeite vor allem im Verlagsbuchhandel, für renommierte Verlage wie Heimeran, Ellermann, Diogenes, Hanser, Herder und Suhrkamp. Dabei ist sie als Übersetzerin zahlreicher englischsprachiger  Autoren hervorgetreten, darunter so populäre Namen wie Elizabeth Goudge, und der südafrikanische Friedenanobelpreisträger Albert Luthuli. Beider Autobiographien hat Gabriele Pallat ins Deutsche übertragen. Belletristik, Zeitgeschichtliches, aber auch die Übersetzung von Bastel- ja selbst Kochliteratur gehörten zu Gabrieles großem Repertoire. Anrührend,dass Gabriele hier teils Themen bearbeite, die schon ihre Großmutter Annemarie einst zu Publikationen anregten.Vielfach konnte man die Verstorbene auch bei öffentlichen Lesungen erleben, mit einer breiten Palette von Themen. In der Freiburger Adolf-Reichwein-Schule war sie ebenso präsent, wie in der Zeitschrift des Breisgauer Geschichtesvereins. Die Arbeit unseres Vereins hat sie kontinuierlich und helfend unterstützt, sei es als Mitherausgeberin der 1974 erstmals erschienenenVeröffentlichung der erhaltenen Briefe Adolf Reichweins oder als Mitorganisatorin der unvergessenen Jubiläumsveranstaltung 1998 in Rosbach. Als liebenswürdige und kluge Teilnehmerin vieler unserer Jahrestagungen war sie aus unserer Vereinsleben eigentlich nicht wegzudenken. Nun müssen   wir doch auf sie verzichten vergessen kann man eine Persönlichkeit wie Gabriele Pallat nicht. Der Adolf-Reichwein-Verein gedenkt mit Dankbarkeit eines liebevollen Menschen und engagierter Mitstreiterin für die Bewahrung der Menschenwürde. Was sie für Reichwein mit Klugheit und Engagement getan hat, wird ihr der Verein nicht vergessen. Gabriele C. Pallat, Roland Reichwein, Lothar Kunz (Hrsg.): Adolf Reichwein: Pädagoge und Widerstandskämpfer. Ein Lebensbild in Briefen und Dokumenten (1914-1944). Mit einer Einführung von Peter Steinbach, Schöningh, Paderborn u. a., 1999.

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