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KULTURWEG DES EUROPARATS

Ein Kulturweg des Europarats ist eine reale oder virtuelle Verbindung zwischen Orten und Stätten, die vom Europarat offiziell als „Kulturweg“ zertifiziert wurde.
Bis 2010 wurden Kulturwege als Europäische Kulturstraße bezeichnet.
Ein Kulturweg des Europarats bezieht sich auf ein Land (eine Region) oder mehrere Länder (Regionen) und befasst sich mit Themen, die wegen ihres geschichtlichen, künstlerischen und sozialen Interesses europäischer Natur sind, sei es auf Grund der geographischen Wegführung oder des Inhaltes und der Bedeutung.

Das Programm der europäischen Kulturwege wurde im Jahre 1985 von der Europäischen Kommission in die Wege geleitet.
Es wurde vom Europarat 1987 beschlossen.

Als erster Kulturweg wurde am 23. Oktober 1987 der Jakobsweg zertifiziert.
Grundlage des Programms ist seit 2007 die „Resolution CM/Res(2007)12 über die Kulturstraßen“ des Europarats, verabschiedet vom Ministerkomitee am 10. Oktober 2007 auf dem 1006. Treffen der Ständigen Vertreter der Außenminister (Ministers’ Deputies)

Einige Kulturwege entsprechen den Anforderungen an eine Ferienstraße (nach deutschen Kriterien) bzw. an eine Erlebnisstraße (nach österreichischen Kriterien): Man kann sie mit Kraftfahrzeugen vom Anfangspunkt zum Endpunkt befahren bzw. einen Rundkurs abfahren.
Ein Beispiel für den ersten Typ stellt die 1992 zertifizierte Schickhardt-Straße dar (die allerdings 2017 nicht mehr als Kulturweg gilt), ein Beispiel für den zweiten Typ der durch Sachsen-Anhalt verlaufende Teil der Transromanica (die Straße der Romanik).

Solche Kulturstraßen sind in Straßenkarten eingezeichnet, dort als Ferien- bzw. Erlebnisstraßen markiert und in der realen Landschaft durch einheitliche Verkehrszeichen ausgeschildert. Eine Variante des ersten Typs besteht darin, dass immer wieder von der Hauptroute Nebenwege sackgassenartig abzweigen, an deren Ende sich Stationen der Route befinden (Beispiel: Die Straße der Megalithkultur als deutscher Teil der Europäischen Route der Megalithkultur).
Markierung des Pickerwegs mit der Jakobsmuschel, dem Kennzeichen des Jakobswegs

Daneben gibt es Kulturwege, die auf weiten Strecken nur zu Fuß abgelaufen oder mit dem Fahrrad (z. B. ein großer Teil der Jakobswege) bzw. mit Wasserfahrzeugen (z. B. die Routen der Wikinger) abgefahren werden können.
Im Fall der Jakobswege muss darüber hinaus teilweise noch geklärt werden, auf welchen Wegen genau
im Mittelalter Pilger etwa aus Skandinavien oder aus Osteuropa nach Santiago de Compostela gelangt sind.

Wenn Historiker entdecken, dass eine bestimmte Strecke von Jakobspilgern benutzt wurde, müsste diese Strecke anschließend als Teil des Netzes der Jakobswege gelten. So gilt beispielsweise der Pickerweg, der bis ins frühe 21. Jahrhundert ausschließlich als Handelsweg angesehen wurde, nach neueren Forschungen als Jakobsweg.

Ferner gibt es Kulturwege, die keinen festen Verlauf haben, sondern in weiten Teilen nur als nicht amtlich festgelegte Verbindung zwischen zwei Stationen bzw. Regionen mit kultureller Bedeutung zu verstehen sind.
Ein Beispiel hierfür ist die Verbindung zwischen dem deutschen und dem italienischen Teil der Transromanica: Jedem Touristen bleibt es selbst überlassen, wie er vom deutschen in den italienischen Teil dieses „Kulturwegs“ gelangen will.
In diesem Sinne ist die Transromanica (wie auch viele andere europäische Kulturwege) eine „imaginäre Route“.

Schließlich gibt es auch Interpretationen des Begriffs Kulturweg, in denen die durch den Begriff „Weg“ bzw. „Route“ implizierte Bedeutung Verbindungsstrecke zwischen Ort/Stätte A und Ort/Stätte B nicht unbedingt mitgedacht wird.
So ist nach einer Definition der Mitgliedsstadt Wiesbaden die „Europäische Route historischer Thermalstädte“ ein „wachsende[s] Netzwerk“ im Sinne einer Organisation und letztlich mit dem Träger EHTTA (“European Historic Thermal Towns Association”, deutsch: „Europäische Vereinigung historischer Thermalstädte“) identisch. Folgerichtig spricht die Stadt Wiesbaden davon, dass die „europäische Route historischer Thermalstädte […] das historische und kulturelle Erbe der Thermalstädte“ verbinde (und nicht etwa die Städte selbst).

Als bloßes Netzwerk, d. h. als Verbindung von Orten, die einen Bezug zu einem Thema von europäischer Bedeutung haben, betrachtet sich auch der Hansebund, der 1980 in Zwolle wiedergegründet wurde und aus denjenigen Städten des historischen Städtebundes besteht, die sich dem Projekt angeschlossen haben.
Dieses Netzwerk ist mit dem bereits 1991 vom Europarat zertifizierten „Kulturweg“ Die Hanse identisch.

Eine mögliche Ursache für Missverständnisse darüber, was ein „Weg“ ist, besteht darin, dass das englischsprachige Wort “way” auch „Art und Weise“ bedeuten kann (“a way to connect people” = „eine Methode, Menschen miteinander zu verbinden“).

Ziele des Programms „Kulturwege des Europarats“
Dem Europarat zufolge war die Europäische Kommission 1985 von dem Gedanken geleitet, anhand einer Reise durch Raum und Zeit zu zeigen, wie das Erbe der verschiedenen Länder und Kulturen Europas zum gemeinsamen kulturellen Erbe beiträgt.
Die Kulturwege sollen die Grundwerte und grundlegenden Praktiken des Europarates in die Tat umsetzen: Menschenrechte, Demokratie, kulturelle Vielfalt und Identität, Gespräche, gegenseitigen Austausch und Bereicherung über Grenzen und Jahrhunderte hinaus.
Die Kulturwege sollen als ein „open air“-Labor der europäischen Entwicklung fungieren. Sie sollen Chartas, Konventionen und Empfehlungen bezüglich des kulturellen Erbes und des nachhaltigen Tourismus durch eine pädagogische Annäherung in Wirklichkeit umsetzen.

Das Programm der Kulturwege des Europarates verfolgt ein dreifaches Ziel:

Die gemeinsame kulturelle Identität der europäischen Bürger sichtbarer, wertvoller und
im täglichen Leben lebendiger machen,
das europäische Kultur-Erbe zu erhalten und aufzuwerten,
im Interesse einer verbesserten Lebensqualität und
im Interesse der sozialen, wirtschaftlichen und
kulturellen Entwicklung den Bürgern Europas in ihrer Freizeit
neue Möglichkeiten des Kulturtourismus anzubieten.

Existierende Kulturwege

2017 sind die folgenden 31 Kulturwege des Europarats als solche zertifiziert:

Der Jakobsweg (1987)
Die Hanse (1991)[11]
Die Kulturroute der Wikinger (1993)
Die Via Francigena (Frankenwege, 1994)
Das Erbe von Al-Andalus (1997)
Die Mozart-Wege (2002)
Die Routen der Phönizier (2003)
Die Eisenstraße in den Pyrenäen (2004)
Europäische Routen des Jüdischen Erbes (2004)
Die Cluniazensischen Stätten in Europa (2005)
Die Straßen des Ölbaums (2005)
Der Martinusweg (2005)
Die Via Regia (Königsstraße, 2005)
Transromanica, die Romanische Straße des Europäischen Kulturerbes 
(der deutsche Teil ist die Straße der    Romanik, 2007)
Iter Vitis (die Wege der Weinberge, 2009)
Der Olavsweg (2010)
Die Wege der prähistorischen Steinkunst (2010)
Die Europäische Route der Zisterzienserabteien (2010)
Die Europäische Route der Friedhofskultur (2010)
Die Europäische Route historischer Thermalstädte (2010)
Die Europäische Keramikstraße (2012)
Die Europäischen Routen der Megalithkultur (2013)

(der Abschnitt in Niedersachsen nennt sich seit 2006 Straße der Megalithkultur)
Der Europäische Kulturfernwanderweg Hugenotten- und Waldenserpfad (2013)
ATRIUM – Architecture of Totalitarian Regimes of the 20th Century in Europe’s Urban Memory (2014)
Das Europäische Jugendstil-Netzwerk (2014)
Via Habsburg (2014)
Auf den Spuren römischer Kaiser und des Weines (2015)
Die europäischen Wege von Kaiser Karl V (2015)
Auf den Spuren von Robert Louis Stevenson (2015)
Destination Napoleon (2015)
Befestigte Städte der Grande Region (2016).

Kandidaturen und Planungen

European Route of Impressionism
Longobard Ways Across Europe
The Chocolate Way – Cultural ethic network of artisan heritage sites[14]
Europäische Kulturroute der Reformation

Entzug der Zertifizierung
Die Anerkennung als „Kulturweg des Europarats“ kann auch entzogen werden. Kulturwege des Europarats werden alle drei Jahre vom „Europäischen Institut für Kulturstraßen“ mit Sitz in Luxemburg evaluiert. Werden die Anforderungen an einen Kulturweg des Europarats durch Mängel in der Planung, der Budgeterstellung oder dem strategischen Management nicht mehr erfüllt, erfolgt eine Aberkennung des Zertifikats.

KULTURWEG DES EUROPARATS

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