Wolfgang lässt schön grüßen

üben, üben, üben

TATORTE

Petzold: Ich war ja selbst lange Raucher – inzwischen bin ich nur noch Dampfer, das ist das Methadon für Raucher. Früher war Rauchen völlig selbstverständlich im Film. Wenn Yves Montand eine Zigarette rauchte, war das Ausatmen ein innerer Monolog. Wenn jemand rausging, sich eine Zigarette anzündete und der Rauch aufstieg, dann konnte man damit Gedanken visualisieren. Das ist die Zigarette nicht mehr. Sie ist von einer wahnsinnig gewordenen Gesundheitspolitik aus den Innenräumen, aus dem sozialen Leben und somit aus dem Film entfernt worden. Leider haben wir noch keinen Ersatz gefunden. ZEIT ONLINE: Was vermissen Sie an der Zigarette?
Petzold: Früher hatten wir gewerkschaftlich verordnete Raucherpausen. Rauchen war ein Grund, sich aus dem Strom der Arbeit, der Notwendigkeiten zu verabschieden. Die Zigarette in der Hand bedeutete: Ich mach nicht mehr mit. Die Zigarette war eine Pause, eine Lebenspause. Heute betrachtet man Raucher als Leute, die die Kontrolle über sich verloren haben: Als arme Schweine, Subproletariat. Man kann doch zwei, drei Lebensjahre opfern, wenn man dafür die anderen Jahre ein bisschen auffüllt. Aber dieser Gedanke ist völlig verpönt. Der Regisseur Christian Petzold hat den letzten “Polizeiruf” mit Matthias Brandt gedreht. Im Interview spricht er über den gereiften Mann, das Rauchen und die Liebe. Interview: Carolin Ströbele 15. Dezember 2018, 15:01 Uhr Titelfoto: Christian Petzold “Inzwischen bin ich nur noch Dampfer, das ist das Methadon für Raucher.” © Caroline Scharff für ZEIT ONLINE

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