Wolfgang lässt schön grüßen

üben, üben, üben

Der Gesellschafter

Berlin ist eine Behauptung. Und das gilt natürlich auch für seine Gesellschaft. 

Von heute auf morgen zur Hauptstadt erklärt, schien ein paar Jahre lang vollkommen unklar, ob hier nun weiterhin versponnene Künstlertypen aus Schöneberg …22 Jahre HANF MUSEUM BERLIN am 6.12.2016 • Wolfgang lässt schön grüßen

Berlin ist eine Behauptung. Und das gilt natürlich auch für seine Gesellschaft. Von heute auf morgen zur Hauptstadt erklärt, schien ein paar Jahre lang vollkommen unklar, ob hier nun weiterhin versponnene Künstlertypen aus Schöneberg die erste Geige spielen würden oder ob sich neue Köpfe würden durchsetzen können, Zugereiste, Hochgestolperte, Neuerfolgreiche. Mittlerweile hat sich tatsächlich eine Art Szene herauskristallisiert, ein fester Personenkreis, über den die Boulevardpresse regelmäßig berichtet, die “Berliner Society”. Natürlich gehört der Bürgermeister dazu, der so lange behauptet hat, dass Berlin eine hippe Weltstadt sei, bis es der Rest der Welt tatsächlich glaubte. Udo Walz gehört dazu, der Friseur, der so lange behauptet hat, Starfriseur zu sein, dass er nun tatsächlich dem einen oder anderen Star vor einem Auftritt die Haare föhnen darf. Auch Modemacher Michael Michalsky ist dabei, ein wahres PR-Genie, der es trotz provinzieller Kreationen mittlerweile geschafft hat, als Couturier von internationalem Rang zu gelten, zumindest im Grill Royal. Dann wäre da noch Minu Barati, die schöne Frau des ehemaligen Außenministers, die vielleicht eines Tages einmal wirklich einen Film produzieren wird. Und David Groenewold, von der Berliner Boulevardpresse “Filmmogul” genannt: ein 36-jähriger Produzent und Geschäftsmann, dem es an Chuzpe, Verkaufstalent und den richtigen Freunden nicht zu mangeln scheint. Und der für all das steht, was die Berliner Society ausmacht, die Münchens über Jahrzehnte gewachsene Schickeria an Bussi-Bussis und Spezltum nahezu aus dem Stand überholt hat.

Selbst Menschen, die mit den Hintergründen deutscher Filmfinanzierung nicht vertraut sind, kennen sein Gesicht inzwischen aus der Klatschpresse: ein jungenhaft aussehender großer Blonder mit zurückgegelten Haaren, der sich vorzugsweise mit einer schönen jungen Schauspielerin im Arm fotografieren lässt. David Groenewold gehört zur Berliner Gesellschaft wie die rote Markise vor das Szenerestaurant “Borchardt”. Wo er auftaucht, liegt immer das Versprechen in der Luft, dass gleich etwas irrsinnig Wichtiges passieren könnte. Er ist ein Mann der großen Gesten. Eine Runde Champagner für alle, Handküsse für die Damen, die Herren werden mit kollegialen Schulterklopfern begrüßt. In den Restaurants der oberen Zehntausend, deren Kundschaft sich in Berlin auf etwa neunhundert beläuft, sitzt er an den Tischen der Mächtigen und Macher, die er natürlich alle duzt und beim Vornamen nennt. Oder diese setzen sich an seinen Tisch, denn Groenewold ist durch eine einfache Geschäftsidee innerhalb weniger Jahre zu einem der wichtigsten Spieler des deutschen Filmgeschäfts aufgestiegen.  Die IRREN-OFFENSIVE by Fritz Rudert • Wolfgang lässt schön grüßen

Er hat den deutschen Filmfonds gegründet, GFP, German Film Production, einen Anlagefonds, der nur in deutsche Produktionen investiert. Anders als andere Medienfonds, die deutsche Gelder in Hollywoodproduktionen steckten und dort zumeist auf Nimmerwiedersehen versenkten. Bis 2005 schienen Medienfonds für Anleger ein Bombengeschäft: Als “immaterielle Wirtschaftsgüter” konnten Filme sofort abgeschrieben werden, bis zu hundert Prozent im ersten Jahr, so konnten die zumeist wohlhabenden Investoren erheblich Steuern sparen. Dann erkannte der Staat den Medienfonds die Steuervorteile ab. Mehrere Banken wurden zu Schadensersatz verurteilt, der Gründer eines Fonds mit anderen Rahmenbedingungen sitzt in München wegen Steuerhinterziehung noch ein paar Jahre in Haft. Allein das Wort “Medienfonds” hat seither einen schlechten Beigeschmack.
Um aus dieser Nummer rauszukommen, kaufte Groenewold 2006, mit Einverständnis seiner Investoren, mit Geldern seines Fonds eine große Produktionsfirma, die Münchner Odeon Film, die so gediegene Serien produziert wie “Der Landarzt” oder “Ein Fall für zwei”. Steuerlich eine einwandfreie Entscheidung. Unter ihrem Dach gründete er schnell einen eigenen Verleih und kaufte noch die Produktionsfirma Hofmann & Voges dazu, die so moderne und eigenwillige Formate wie “Türkisch für Anfänger” hervorgebracht hat. Und irgendwie begannen dann ein paar Sachen schiefzulaufen. 22 Jahre HANF MUSEUM BERLIN am 6.12.2016 • Wolfgang lässt schön grüßen

Andere Kaufvorhaben klappten nicht. Innerbetrieblich gab es personelle Schwierigkeiten. Die Aktien der Odeon, 1999 zu einem Ausgabepreis von 32 DM an die Börse gebracht, liegen heute bei 60 Cent, Penny Stock sagt man dazu. Insider sprechen davon, dass es um die liquiden Mittel der Firma im Moment sehr schlecht bestellt sei. In der Branche geht das Gerücht um, andere Produktionsfirmen warteten nur auf die Pleite, um zugreifen zu können. Jüngst hat sich der Vorstand verschlankt, Groenewold hat die Stelle des Vorstandsvorsitzenden abgegeben und sitzt nun im Aufsichtsrat – auch um Kosten einzusparen, wie er sagt.

Und auch die Kommanditisten seines Fonds, die Leute, die Geld eingezahlt haben in der Hoffnung auf eine Rendite, dürften momentan nicht allzu glücklich sein. Die diesjährige Ausschüttung ist mager, an eine Rendite glaubt keiner mehr, die Investoren gewöhnen sich langsam an den Gedanken, dass ihr Geld weg ist.

David Groenewold sitzt in einem Berliner Café und sieht an diesem Vormittag leicht gestresst aus. In letzter Zeit tauchte er oft in der Presse auf, allerdings eben nicht als Geschäftsmann, sondern als Mitglied der Berliner Gesellschaft, in der er als Prominenter gilt. Sein “Liebes-Aus” mit einem blonden Sternchen aus der Raffaello-Werbung verkündete letztes Jahr die “Bild”-Zeitung. Diesen Juli wurde dann eine neue Frau an seiner Seite vermeldet, die PR-Chefin von Michael Michalsky: “Jetzt hat die hippe Grill-Royal-Borchardt-Society ein neues Traumpaar”, schrieb die “B.Z.”, die Neue sei bereits in sein “800-Quadratmeter-Townhouse” eingezogen. Wenige Tage später wieder ein Artikel in der “B.Z.”, diesmal war Groenewold in einen Einbruchsfall verwickelt, der sich in der Villa, in der er mit Freunden urlaubte, an der Côte d’Azur zugetragen hatte. “Rolex-Uhren, Handtaschen, neue Filmideen geklaut: Zum Glück haben die Einbrecher unseren Champagner-Vorrat nicht entdeckt.” Darauf angesprochen, guckt er zerknirscht. “Schrecklich”, sagt er. “Solche Presse bringt mir nichts. Ich bin kein Prominenter, und da lege ich auch gesteigerten Wert drauf.” Für den Artikel in der “B.Z.” ließ Groenewold sich allerdings zusammen mit seinen beklauten Freunden sogar extra fotografieren (“Berlins hippster Freundeskreis”).  Jette DAS NILPERD • Wolfgang lässt schön grüßen

Groenewold ist ein gewinnender Gesprächspartner, der sich blitzschnell auf Situationen einstellen kann. Wenn er darüber redet, welche Rahmenbedingungen der Staat für die Filmfinanzierung ändern müsste, gestikuliert er größer als sonst, malt mit seinem Zeigefinger Unterstreichungen in die Luft und streut in sein Reden Politikerfloskeln ein wie “man muss betonen” und “ich sage das ganz ausdrücklich”. Er wirkt dabei entschieden, sicher und so überzeugend, dass man sich leicht vorstellen kann, warum viele Politiker auf sein Urteil vertrauen. Für Kanzler Schröder hat er in einer Arbeitsgruppe Medien gearbeitet, mit Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff ist er eng befreundet, mit Kulturstaatsminister Bernd Neumann, den er in Medienfragen beraten hat, duzt er sich.

Aktualisiert am 05.09.2009-19:42

Spricht man mit Menschen, die Groenewold gut kennen, sagen fast alle als Erstes über ihn, er sei ein “großer Kontakter”, unglaublich “gut vernetzt”, mit “den richtigen Leuten befreundet”. Während der Berlinale veranstaltet Groenewold, zusammen mit dem Schauspieler Thomas Heinze, regelmäßig einen “Abend unter Freunden”, ein festliches Diner, das sich mittlerweile zu einem der wichtigsten Branchentreffen gemausert hat. In exklusivem Ambiente treffen Filmschaffende auf Chefredakteure und Politiker. Der Springer-Verlag, dessen Vorstand Mathias Döpfner ein weiterer “guter Bekannter” Groenewolds ist, stellt dafür die Räumlichkeiten im 19. Stock des Springer-Hochhauses zur Verfügung. Und dann stoßen dort Claudia Roth, Til Schweiger, Klaus Wowereit, Laurenz Meyer, Sönke Wortmann, Sabine Christiansen, Nadeshda Brennicke und andere mit Champagner an, und Groenewold hält im Kerzenlicht eine emotionale Rede. “Das ist zum Netzwerken gut”, erklärt er die Idee hinter diesem Abend. Aus Menschen, die er früher aus der Ferne bewundert hat, sind so Freunde geworden und schließlich Geschäftspartner. Eben hat ihm Helmut Dietl die letzte Fassung seiner “Kir Royal”Fortsetzung geschickt; Groenewold findet sie “grandios”, nächstes Jahr soll nun endlich gedreht werden.

An diesem Tag jedoch scheint ihm daran gelegen, selbstkritisch zu erscheinen. Er habe auch Fehler gemacht, sagt er mehrmals wie für ein Protokoll. Er habe nicht vorausgesehen, dass das Fernsehgeschäft sich so schnell so massiv verändern würde. Die Odeon Film hätte zugleich operative Verluste und sehr hohe Ausgaben durch Investitionen gehabt. Im Nachhinein sei es sicher ein Fehler, die Odeon zu übernehmen, sagt er. Und was die Verwaltung seines Fonds angeht: “Unter den Blinden habe ich minus fünf Dioptrien.” Die Performance auch seiner Fonds betrachte er selbstverständlich kritisch, aber viel sei auch gut gegangen im Sinne seiner Investoren. Im Übrigen seien diese im Prospekt auf das Risiko eines Totalverlustes ja hingewiesen worden.

David Groenewold hat viel erreicht: Durch seine Spitzenfinanzierung wurden viele große Filmprojekte überhaupt erst ermöglicht – darunter erfolgreiche Produktionen wie “Der Wixxer”, aber auch Autorenfilme wie “Sehnsucht” von Valeska Grisebach -, und niemand, der ihn kennt, spricht Groenewold eine wirkliche, tief empfundene Leidenschaft für Filme, für den deutschen Film, ab. Fast allen ist er im Grunde sympathisch. Sie nennen ihn einen “begnadeten Verkäufer”, einen Menschen, der “aus dem Bauch heraus Entscheidungen trifft” und dessen Begeisterungsfähigkeit ansteckend wirke. Aber es heißt auch immer wieder über David Groenewold, dass er […] sei, und mehrere Personen, die sich untereinander nicht abgesprochen haben, wählen denselben Wortlaut: Sie wollten ihm “nicht unterstellen, dass er ein […] sei, aber . . .” […]

Groenewold überlegt nicht lange: “Das Geschäft, das ich mache – Übersetzen zwischen Kreativen und Geldgebern -, ist ein sehr spezielles. Es gibt keinen festen Geldtopf, vieles beruht auf Spekulation, weil jedes Projekt einzigartig ist und die Ergebnisse nie vorhergesehen werden können. Das ist nicht so leicht nachzuvollziehen wie Schuheverkaufen, das macht es für viele dubios.” Die Klatschgeschichten über seinen teuren Lebensstil – Townhouse, Champagner-Vorräte, Rolexuhren – helfen wohl auch nicht unbedingt. […]
Mit 23 Jahren gründete Groenewold seine erste Gesellschaft, eine GmbH für Medienfinanzierung. Wie viele Firmen er seither gegründet hat, weiß er selbst nicht. Sein neuestes Projekt ist eine Internetfirma, die sich mit Markenartikelvertrieb über soziale Netzwerke befasst. Schon früher, als Schüler, dachte er groß. Als die Mauer fiel, war er 16 Jahre alt und Schulsprecher an einer Berliner Privatschule. Am 10. November 1989 marschierte er morgens ins Büro des Schuldirektors und forderte unterrichtsfrei für alle Schüler, man müsse bei einem solchen historischen Ereignis geschlossen zum Brandenburger Tor ziehen. Der Schuldirektor sah das anders, aber Groenewold setzte sich durch und holte sogar noch Schüler aus benachbarten Schulen in Dahlem aus ihren Klassenzimmern, um gemeinsam zur Mauer zu fahren. Er studierte an der London School of Economics, die als eine der besten der Welt gilt. Zurück in Berlin, wollte er ins Filmgeschäft einsteigen, Filmfinanzier werden wie sein Vater, der unter anderem “Wir Kinder vom Bahnhof Zoo” produziert hat. Doch die Anfänge gestalteten sich schwieriger als gedacht. Dreieinhalb Jahre lang trieb er sich auf Filmpremieren herum und drückte jedem, den er für wichtig hielt, seine Visitenkarte in die Hand. “Guten Tag, ich finanziere Filme, und hier ist meine Karte”, sagte der junge Mann, der eben noch Student gewesen war und noch nie einen Film finanziert hatte. Eine Behauptung. Dann lernte er irgendwann den Schauspieler Thomas Heinze kennen, Oliver Berben kannte er schon länger, er freundete sich mit Christoph Ott von Buena Vista Film an und mit dem Produzenten Sam Davis. “Diese vier waren der Anfang.” Von ihnen ausgehend, baute er sein Netzwerk auf. 2002 finanzierte er den ersten Film, “Das Jesus-Video”. Kurz darauf folgte “Das Wunder von Lengede”, eine sehr erfolgreiche ZDF-Fernsehproduktion. Von da an lief es.

Es ist lange sehr gut gelaufen für David Groenewold. Wenn er das “Borchardt” betritt, fliegen ihm die “Hallos” von allen Seiten zu. Oft hat er ein Buch unterm Arm, er liest gern. Das Ausgehen ist für ihn beides zugleich, Freizeit und Arbeit, denn man wisse ja nie, wann eine Idee zu einem Film entsteht. Wenn er sich wünschen dürfe, als was er erinnert werden möchte, sagt Groenewold, er wäre glücklich, wenn es einmal heißen werde, er habe das Filmemachen für junge Leute in Deutschland einfacher gemacht.  WOLFGANG NEUSS FLUGHAFEN • Wolfgang lässt schön grüßen

Ein Mann, der lange beruflich mit David Groenewold zu tun hatte und ihm “für seine Zukunft wirklich alles Gute” wünscht, sagt über ihn Folgendes: Es fehle ihm einfach an Erfahrung. An über Jahre gewachsenen Kontakten und Visionen, die auch realisierbar sind.

Dasselbe könnte man über Berlin sagen. JOHANNA ADORJÁN
Quelle: F.A.S.

Wolfgang Neuss Gesellschaft e.V Kohle-Kopf1

David Groenewold
Ein romantischer Kaufmann
Von Bernd Gäbler
6. Juni 2007 Quelle: DIE ZEIT Nr.24 vom 06.06.2007, S.34

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