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BONNIES RANCH

Die Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik (KBoN), im Berliner Volksmund als Bonnies Ranch bekannt, war zwischen 1880 und 2006 eine psychiatrische Klinik in Berlin, zuletzt unter der Bezeichnung Vivantes Humboldt-Klinikum, Standort Oranienburger Straße. Ältere Namen sind Krankenhaus Reinickendorf – Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik, Karl-Bonhoeffer-Heilstätten, Wittenauer Heilstätten und Irrenanstalt Dalldorf. Ihre Historie ist eng mit der Geschichte der deutschen Psychiatrie verbunden.

Der teils denkmalgeschützte Gebäudekomplex liegt an der Oranienburger Straße im Ortsteil Wittenau des Bezirks Reinickendorf. Das weitläufige, 45 Hektar große Gelände mit seinem teilweise waldähnlichen Park mutet trotz seiner Großstadtlage ländlich an. Südlich bzw. südöstlich befindet sich der Bahnhof Berlin Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik.[1][2][3]

1880 bis 1914

 
Küchenhaus, F. Albert Schwartz, 1885

Auf die Bauabnahme am 31. Januar 1880, folgte eine Besichtigung durch die städtischen Behörden am 4. Februar 1880. Ein Tag später besuchte Kaiserin Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach den Neubau. Zwischen dem 6. und 14. Februar 1880 zogen die Kranken aus den städtischen Einrichtungen nach Dalldorf um, vermutlich mit Hilfe von Pferdewagen. Bald danach begannen auch die Überführungen aus den privaten Anstalten. Mitte Mai wurden 925 Patienten gezählt, im August schon über 1.000. Von Anfang an war Platzmangel ein beherrschendes Thema.[5][4]

Die Irrenanstalt der Stadt Berlin zu Dalldorf bestand anfangs aus zehn Kranken-Pavillons, einer Küche, einem Maschinenhaus, einer Wäscherei, einem Verwaltungsgebäude sowie mehreren Gärten und Werkstätten. Auch die nördlich angrenzenden Äcker und der Wirtschaftshof (heute Alt-Wittenau 66) gehörten dazu. Noch während der Bauarbeiten kam die Idee einer Erweiterung um ein Erziehungsheim für bis zu 100 geistig unterentwickelte Kinder auf. Außerdem war durch die gesunkenen Baupreise der Kostenrahmen nicht ausgeschöpft. Im September 1880 starteten auf der Nordseite die Bauarbeiten und im November 1881 öffnete die Städtische Idioten-Anstalt mit je 11 Jungen und Mädchen. 1888 kam ein zusätzliches Mädchenhaus hinzu, so konnten bis zu 200 Kinder betreut werden.[5][8][9][4][10]

Die Irrenanstalt gliederte sich organisatorisch in zwei Abteilungen: eine für die Irren (heute psychisch Kranke) sowie eine für die Siechen (heute Menschen mit geistiger Behinderung) und die Epileptiker. Beiden stand ein dirigierender Arzt vor, der für die eigentliche Irrenanstalt war zugleich Direktor der Gesamtanstalt. Zur Belegschaft gehörten neben den Ärzten und dem Verwaltungspersonal ungefähr 140 Wärter. Der Beruf des Krankenpflegers entstand in der Psychiatrie erst um die Wende des 19./20. Jahrhunderts. Viele der Angestellten wohnten in den ersten Jahrzehnten mit ihren Familien auf dem Anstaltsgelände.[4][11]

Die Erziehungsanstalt wurde relativ selbstständig betrieben und besaß eigenes Personal. Erster Erziehungsinspektor wurde Hermann Piper. Als Aufsichtsbehörde für die Irren- und Idiotenanstalt fungierte ein Kuratorium aus drei Stadträten und fünf Stadtverordneten der Deputation für die öffentliche Gesundheitspflege. Für die Feststellung der Wohnverhältnisse der Kranken sowie das Einziehen der Kur- und Verpflegungskosten war die Armendirektion zuständig, die sanitären Verhältnisse fielen in den Bereich der Deputation für die öffentliche Gesundheitspflege.[4]

Die Dalldorfer Irren- und Idioten-Anstalt steht exemplarisch für einen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstehenden Anstaltstyp, wobei die symmetrische Anordnung der Gebäude der Trennung der Geschlechter und das Pavillonsystem der Klassifizierung der Geisteskranken dient. Die dörfliche Abgeschiedenheit war zugleich Mittel der Therapie und der Unsichtbarmachung der Kranken in der städtischen Öffentlichkeit. Trotzdem waren die Verwahrungsbedingungen in Dalldorf im Vergleich zu den Vorgängeranstalten ein deutlicher Fortschritt: Die arbeitsfähigen Patienten wurden gegen Bezahlung in den Werkstätten und Gartenanlagen der Anstalt beschäftigt, gelegentlich Ausflüge und Feste für die Patienten veranstaltet, auch Besuche durch die Angehörigen waren erlaubt und in bestimmten Fällen sogar die Beurlaubung von Kranken.[4][5]

 
Blick auf die Irrenanstalt, F. Albert Schwartz, 1885

Glaubt man den eigenen Verlautbarungen der Anstalt und zeitgenössischen Presseartikeln, wurde kein individueller körperlicher Zwang ausgeübt. Wilhelm Sander, Direktor von 1887 bis 1914, fasste es im Satz „Zwang ist Vernachlässigung.“[12] zusammen. Ob liberaler Ansatz und Realität aber immer übereinstimmten, darf bezweifelt werden. Noch 1980 fanden sich in alten Schränken angeblich genau 100 Jahre zuvor beseitigte Zwangsjacken. Auch sogenannte Zwangshandschuhe wurden in den ersten Jahrzehnten angewandt.[4]

Auch in der Forensischen Psychiatrie wurde zunächst ein liberales Regime gepflegt. Die Anstalt nahm neben polizeilich eingewiesenen Patienten auch während der Haft Erkrankte auf, die heute meist in den Krankenanstalten der Gefängnisse behandelt werden. Die öffentliche Debatte sowie die Berichterstattung der Presse über Entweichungen waren mit Vorurteilen belastet. Der dadurch entstandene Druck erzwang 1883 die Einrichtung eines Festen Hauses. Der Krankenpavillon 5 wurde mit Eisengittern vor den Fenstern und einer hohen Umfassungsmauer gesichert, das Wachpersonal verdreifacht. Allerdings wurden auch die Beschäftigungsmöglichkeiten erweitert und die Anzahl der Personen in den Schlafräumen auf drei bis vier verringert.[13]

Die Zahl der straffälligen Kranken wuchs in den ersten Jahren stetig, auch wenn noch nicht zwischen wegen einer Straftat eingewiesenen Kranken – damals „verbrecherische Irre“ – und Kranken mit Straftaten in der Vorgeschichte – damals „irre Verbrecher“ – unterschieden wurde. 1889 öffnete im Gefängnis Moabit eine ärztliche Beobachtungsabteilung für geisteskranke Verbrecher. Statt der erhofften Entlastung für Dalldorf kam es zu einer weiteren Belastung. Da Patienten aus ganz Preußen in die Berliner Gefängnisse eingewiesen wurden, musste die Anstalt schließlich auch Nichtberliner betreuen. Erst 1904 wurde für das Problem eine Lösung gefunden, indem die Häftlinge in die Anstalten ihres Herkunftsortes verlegt wurden.[13]

Neben dem Anstieg der Einwohnerzahl wirkte sich die Anstalt auch auf die Verkehrserschließung von Dalldorf aus. Mit der Eröffnung der ersten Teilstrecke der Nordbahn am 10. Juli 1877 wurde auch der Bahnhof Dalldorf eingeweiht. Für die Besucher und Mitarbeiter wurde um 1880 eine Stichstrecke der Pferdebahn angelegt. Vom Alexanderplatz aus brauchte man eine Stunde bis zur Endhaltestelle in der heutigen Ollenhauerstr. 73. Am 1. Oktober 1893 wurde der erste Abschnitt der Kremmener Bahn in Betrieb genommen, dessen Trasse unmittelbar südlich des Anstaltsgeländes vorbeiführt. Vom Bahnhof Dalldorf (Kremmener Bahn) führte ein Anschlussgleis bis in die Nähe des Verwaltungsgebäudes. Dort konnte in die anstaltseigene SchmalspurLorenbahn umgeladen werden, deren Rillenschienen führten zwischen den Anstaltsgebäuden hindurch bis zum Wirtschaftshof.[14][11]

Durch die weiter steigende Einwohnerzahl und die Massenverelendung in Berlin arbeitete die Dalldorfer Anstalt an ihrer Kapazitätsgrenze. Zur Entlastung initiierte Wilhelm Sander schon 1885 das System der sogenannten Familienpflege. Nicht mehr ständig Pflegebedürftige wurden gegen Bezahlung und unter ärztlicher Kontrolle in Pflegefamilien gegeben, bei gleicher Eignung auch an die eigenen Angehörigen. Die Patienten sollten so stufenweise ins gesellschaftliche Leben zurückgeführt werden. Diese therapeutische Erwartung erfüllte sich. Das zweite Ziel war wirtschaftlicher Art. Die Armenverwaltung sparte deutlich Kosten ein und die Pflegefamilien erhielten einen zusätzlichen Verdienst. Auch wenn die Wahrendorffsche Anstalt in Ilten 1880 erstmals diese Methode in Deutschland erprobte, war das Wirken in Dalldorf durchaus bahnbrechend.[4][5][8]

 
Krankenpfleger, 1903

Ende der 1880er Jahre konnte durch Hinzunahme bisher ungenutzter Räume in den Dachgeschossen und die Auslagerung von Dienstwohnungen die Kapazität der Irrenanstalt auf 1.300 Kranke erhöht werden. Als landwirtschaftliche Irrenkolonie wurden 1887 beim alten Gutshaus zwei Koloniehäuser (heute Eichborndamm 238–240) errichtet, die durchschnittlich mit 60 ruhigen und arbeitsfähigen, ausschließlich männlichen Kranken belegt wurden. 1925 bis 1954 wurde hier die Städtische Nervenklinik für Kinder und Jugendliche Wiesengrund betrieben.[4][5][14]

Die Stadt reagierte auf den Anstieg geistig Erkrankter mit dem Ausbau des Irrenwesens: Anno 1893 öffneten im Juni die zweite Städtische Irren-Anstalt Herzberge in Lichtenberg und im November die Anstalt für Epileptische Wuhlgarten bei Biesdorf. Die dritte Städtische Irren-Anstalt Buch in der Ortschaft Buch kam 1906 hinzu. Das Stadtgebiet gliederte sich nun in Aufnahmebereiche, wobei Dalldorf für den Westen Berlins zuständig war. Bezeichnend ist die Lage der Irrenanstalten im nördlichen bzw. nordöstlichen Hinterland in der Nähe der traditionellen Arbeiterbezirke. Die meisten Patienten stammten aus der Unterschicht, was sich aus den Verwaltungsberichten des Magistrats von Berlin und den Statistischen Jahrbüchern für 1880 bis 1918 gut entnehmen lässt. Die Wohlhabenden wurden nach wie vor in den privaten Anstalten betreut.[4]

Am 28. Oktober 1899 brach im Festen Haus eine Häftlingsrevolte aus. Einer der Pfleger wurde niedergeschlagen, konnte aber fliehen und Hilfe holen. Die Ärzte erreichten durch Verhandlungen und die Zusicherung von Strafverzicht einen Rückzug der Revoltierenden. Nun konnte auch der sich ausbreitende Brand bekämpft werden. Die Patienten hatten die Strohsäcke, auf denen sie schlafen mussten, angezündet. In der Folge erhielt das Haus 5 einen Anbau mit zwei Schlafsälen, darin zahlreiche Einzel- und Isolierzellen. Auch das Pflegepersonal wurde aufgestockt.[13

 

Nach der Emeritierung von Karl Bonhoeffer übernahm Max de Crinis 1938 die Leitung der Psychiatrischen Abteilung an der Charité. Am 1. November 1938 trat Max de Crinis sein Amt als Ordinarius und Direktor der Psychiatrischen- und Nervenklinik der Charité in Berlin an. Der einzige Fachvertreter, der sich dezidiert für de Crinis als Nachfolger von Karl Bonhoeffer ausgesprochen hatte, war Carl Schneider aus Heidelberg, der sich später als T4-Gutachter maßgebend an den nationalsozialistischen Krankenmorden beteiligte.

In den Jahren von 1934 Bis 1942 ergingen um die zweitausend Gutachten zur Bewertung der Erbgesundheit an der Charité. In 862 Fällen schien den behandelnden Ärzten der Klinik die Diagnose soweit gesichert, dass die Kriterien des Gesetzes der Erbkrankheit erfüllt sind, sodass die Empfehlung zur „Zwangssterilisation“ ausgesprochen wurde.

Die überwiegende Zahl der Fälle betraf die Diagnosen „angeborener Schwachsinn“ und „Schizophrenie“, mit großem Abstand folgten „Epilepsie“ und „manisch-depressives Irresein“.[3]

Bonhoeffer befürwortete die Zielsetzung des „Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ von 1934, (vermeintlich) „erbkranke“ Menschen unfruchtbar zu machen. Er gab “Erbgesundheitskurse” zur Durchführung des Gesetzes. Er ging jedoch restriktiv mit dem Gesetz um und schuf Präzedenzfälle für einen vorsichtigen Umgang mit der Indikation[4]. In seinen Gutachten wurde häufiger als sonst Kranken die Sterilisation erspart. Sicher achtete er darauf, dass die Empfehlung von der Forderung nach einer klaren psychiatrischen Diagnose begleitet war:

„Von der klinischen Diagnose hängt ja die Entscheidung des Erbgerichts ab, die Sicherheit der Diagnose ist die erste Voraussetzung für alles Weitere. Die Aufgabe des Arztes, insbesondere des Psychiaters, der die Diagnose zu stellen hat, ist also eine äußerst verantwortliche. Es sind nicht bloß die differentiellen Schwierigkeiten der Artdiagnose […], sondern vielleicht mehr noch solche der quantitativen Ausbildung der Erkrankung. Denn wo die Grenze zwischen einer erbbiologisch unbedenklichen Debilität und einem sicher auszumerzenden Schwachsinn gelegen ist, […] läßt sich nicht mit der Schärfe einer Paralysediagnose abgrenzen. […] Durch das Gesetz [zur Verhütung erbkranken Nachwuchses] sind für die psychiatrische Forschung starke Anregungen gegeben worden. So ist eine weitere Klärung der Kenntnis der Umgrenzung und auch der Verursachung der Schizophrenien und der Epilepsien mehr denn je Erfordernis. Das Studium der Manifestationstendenz von krankhaften Anlagen, ihre Beeinflußbarkeit durch exogene Faktoren gewinnt an Wichtigkeit. […] Die Verkoppelung von krankhaftem mit eugenisch wertvollem Erbgut in demselben Individuum stellt besondere Aufgaben.“

Bonhoeffer im Vorwort eines 1934 erschienenen Buches, das in der NS-Zeit zum Standardwerk wurde.[5]

Haltung zum Euthanasieprogramm

Bonhoeffers Haltung und sein Handeln im Zusammenhang mit den NS-Krankenmorden, wobei psychisch Kranke in großem Maßstab getötet wurden, wird unterschiedlich gesehen. Nach Auffassung einiger Historiker „distanzierte [er] sich von Zwangssterilisationen und Euthanasie“[6] und leistete hiergegen Widerstand, indem er sowohl mit den damals Verantwortlichen als auch mit Gegnern der „Aktion T4“, zum Beispiel mit Friedrich von Bodelschwingh, Kontakt aufnahm. Dieser zeigte sich allerdings in einem Brief enttäuscht über die Zurückhaltung Bonhoeffers in diesen Fragen.

 

Forensische Psychiatrie mit Aktion „Vernichtung durch Arbeit“

Forensische Patienten der Wittenauer Heilstätten[13]
Jahr Patienten
1934 28
1935 37
1937 77
1938 83
1939 129
1940 131
1941 150
1943 143

Das Gesetz gegen gefährliche Gewohnheitsverbrecher und über Maßregeln der Sicherung und Besserung vom 24. November 1933 führte in Wittenau zum Anstieg der forensischen Patienten. Der Deutsche Gemeindetag führte regelmäßig Umfragen unter den Heil- und Pflegeanstalten über diese Patientengruppe durch. Daher liegen für die ersten vier Jahre exakte Zahlen zu Diagnosen, Delikten und angewandten Gesetzesparagrafen vor. In Berlin stellten die Alkohol- und Rauschgiftsüchtigen mit 33 % die größte Gruppe, erst danach folgten Psychopathen und Schizophrene. Die häufigsten Delikte waren Sittlichkeitsvergehen, circa 10 % saßen wegen einer politischen Straftat ein.[13]

Bei der Umfrage von 1934 lautete das Fazit der Berliner Anstalten noch: „keine besonderen Schwierigkeiten“ mit den forensischen Patienten. Später wurden die Ausgrenzungswünsche immer stärker und die Wittenauer Heilstätten forderten mehrfach ihre Unterbringung im Arbeitshaus oder im Bewahrungshaus Lichtenberg. Die Argumente des Anstaltsdirektors Waetzoldt waren Kostenreduzierung und die „abschreckende erzieherische Wirkung“. Die Umfrage im Oktober 1938 fasste das Hauptgesundheitsamt Berlin mit dem Wunsch nach anderweitiger und billigerer Unterbringung sowie der Forderung nach einem Gesetz über die Behandlung Gemeinschaftsfremder zusammen. Den Vorschlag des Amts vom 17. Juli 1939, alle nach § 42 b RStGB Untergebrachten in die Anstalt Obrawalde zu verlegen, lehnte der Generalstaatsanwalt zu diesem Zeitpunkt ab.[13]

Für die Aktion „Vernichtung durch Arbeit“ wurden ab Oktober 1942 Gewohnheitsverbrecher, asoziale und jüdische Gefangene in den Gefängnissen erfasst. Reichsjustizminister Otto Georg Thierack erließ am 22. Oktober 1942 einen Erlass: Asoziale Gefangenen sollten an die Polizeibehörden übergeben und dann in Konzentrationslagern durch „Arbeit vernichtet“ werden. Davon betroffen waren Juden, Zigeuner, Polen, Russen, Ukrainer, Sicherungsverwahrte und Zuchthausinsassen mit mehr als 8 Jahren Haftstrafe.[13]

Die psychisch kranken Straftäter in den Anstalten waren davon zunächst nicht berührt, hier war eine eigene Regelung vorgesehen. Die Musterbegutachtung der Insassen im Städtischen Arbeits- und Bewahrungshaus Berlin-Lichtenberg im Januar 1942 stellte den Start dar. Ab dem 3. Oktober 1942 wurden alle nach § 42 b und c RStGB in den Heil- und Pflegeanstalten untergebrachten Kranken erfasst. Dafür reisten die T4-Ärzte durchs Land. Herbert Linden, Reichsbeauftragter für die Heil- und Pflegeanstalten, ordnete am 8. August 1943 an, die psychisch kranken Straftäter an die Polizei zu überstellen, was letztlich KZ bedeutete.[13]

Im Ministerialerlass sowie in der Weiterleitung des Hauptgesundheitsamts Berlin vom 4. September 1943 wurden auch die Ausnahmen aufgeführt:

  • (1) die nicht nach § 42 b (und § 42 c) RStGB Untergebrachten;
  • (2) Ausländer, mit Ausnahme von Polen, Juden und Zigeunern;
  • (3) die zum Arbeitseinsatz wegen ihres Körperzustands nicht Geeigneten;
  • (4) die in den Heil- und Pflegeanstalten zu wichtigen Arbeiten eingesetzten, die durch andere Arbeitskräfte zu ersetzen entweder unmöglich oder unzweckmäßig ist.[13]

Trotz der ausdrücklichen Hinweise auf die Ausnahmetatbestände, besonders auf die Ziffer 4, benannten die Wittenauer Heilstätten am 29. Oktober 1943 alle 143 psychisch kranken Straftäter. Der beigefügten Liste ließ sich entnehmen, dass nur sechs Mörder und Totschläger darunter waren. Von den 108 Männern waren aber 34 aus politischen Gründen untergebracht, 18 wegen Fahnenflucht oder Wehrkraftzersetzung, 15 wegen Vergehen gegen das Heimtückegesetz und ein Volksschädling. Im Begleitschreiben und nochmals im Januar 1944 beklagte sich die Anstalt, dass die Aktion noch nicht in Gang gekommen sei.[13]

Im geplanten Umfang kam die Überstellung an die Polizei offenbar nicht zustande. Da zahlreiche entsprechende Krankenakten fehlen und auch die Unterlagen im KZ Sachsenhausen Lücken aufweisen, lässt sich das Schicksal der 143 Menschen nur teilweise rekonstruieren. Nachweisbar sind Verlegungen in die Tötungsanstalt Obrawalde, Überstellungen an die Polizei bzw. in ein KZ, Entlassungen vor Kriegsende mit ungeklärtem weiteren Lebenslauf, Befreiungen am Kriegsende und Verbleib in der Anstalt nach Kriegsende. Zeitzeugen berichteten, dass Polizei oder Schutzstaffel einigen Entlassenen auflauerten und sie mitnahmen. Bei den Patienten mit fehlenden Akten ist eine Abgabe an ein KZ nicht unwahrscheinlich.[13]

Auch nach Zusammenstellung der Liste im Oktober 1943 wies die Staatsanwaltschaft bis April 1945 Personen in Wittenau ein. Davon wurden 33 % mit unbekanntem Ziel entlassen, 25 % nach Obrawalde und etwa 10 % in andere Anstalten verlegt. Ein Viertel der forensischen Patienten starb noch vor Kriegsende in den Heilstätten. Ein auch unter Kriegsbedingungen sehr hoher Wert, da die meisten unter ihnen jung und gesund waren. Die Ärzte und Pfleger der Wittenauer Heilstätten waren besonders engagiert diese Menschen in den Tod zu schicken und legten auch selbst Hand an.[13]

Jüdische Patienten

Obwohl schon an einigen Stellen erwähnt, lohnt eine gesonderte Betrachtung der jüdischen Patienten. Sie wurden gleich in zweifacher Hinsicht entrechtet und ausgegrenzt: aus rassistischen sowie aus psychischen Gründen. Die jüdischen Anstaltsinsassen unterlagen den ab 1933 eingeführten antisemitischen Sonderbestimmungen ebenso wie der oben dargestellten nationalsozialistischen Gesundheitspolitik. Dazu kamen spezielle Regelungen für die Krankeneinrichtungen zum Umgang mit jüdischen Patienten sowie die alltägliche Diffamierung durch die Ärzte und Pfleger.[24][25]

Zunächst gestatteten die Nationalsozialisten noch die seelsorgerische Betreuung durch Rabbiner. Ab 1937 durften Gottesdienste nur noch in einfach ausgestatteten Zimmern abgehalten werden. Teilnehmen durften nur Patienten, die keine Begleitung durch das Pflegepersonal benötigten. Im Dezember 1938 verbot schließlich der Berliner Oberbürgermeister Julius Lippert den Juden alle rituellen und kultischen Handlungen sowie den Besuch von Rabbinern in den städtischen Krankeneinrichtungen. Als letztes Zugeständnis blieb bis 1939 das Übersenden von Matze für das Pessachfest erlaubt.[24]

Im Juni 1938 versendete das Reichsinnenministerium einen vertraulichen Erlass, in dem eine getrennte Unterbringung von jüdischen und nichtjüdischen Patienten verlangt wurde. Die Berliner Anstalten gingen unterschiedlich damit um, während Buch die Forderung nicht umsetzte, richtete Herzberge eine „Judenabteilung“ ein. Die Verordnung über die öffentliche Fürsorge für Juden vom 19. November 1938 nutzte die öffentliche Verwaltung, um die Kosten der Pflege auf die jüdischen Gemeinden bzw. die Reichsvereinigung der Juden in Deutschland abzuwälzen. Nur wenn diese dazu nicht in der Lage waren, sollte nach strenger Prüfung die öffentliche Fürsorge dafür aufkommen.[24]

In den ersten Monaten der Aktion T4 wurden die jüdischen Patienten nach den auch sonst angewandten Selektionskriterien ausgewählt. Im April 1940 begann die Vorbereitung der systematischen Ermordung der jüdischen Anstaltspatienten, allein aus rassistischen Motiven. Im Juli 1940 wurden fast alle berlin-brandenburgischen Juden im Haus 12 der Heilanstalt Buch konzentriert. Bereits nach kurzer Zeit erfolgte die Weiterverlegung in die Tötungsanstalt Brandenburg. 470 Menschen wurden im Rahmen dieser Sonderaktion vergast. Ab Oktober 1941 entsprach das Schicksal der jüdischen Anstaltsinsassen weitgehend dem der übrigen jüdischen Bevölkerung, auf die Deportation erfolgte die Ermordung. Der Transport im Dezember 1942 schloss die Vernichtung der jüdischen Patienten in Wittenau ab.[24][25]

Zweiter Weltkrieg

 
von den Nazis 1933 errichtetes Kriegerdenkmal

1940 erkrankte der Anstaltsdirektor Gustav Adolf Waetzoldt an einem Augenleiden. 1944 trat er, schon fast erblindet, von seinem Posten zurück. Bereits zuvor übernahm Fritz Balluff die Außenvertretung der Klinik und unterzeichnete den Schriftverkehr.[26][27]

Im Zweiten Weltkrieg waren auf dem Gelände sowjetische Zwangsarbeiter untergebracht. Eine Brandbombe zerstörte am 27. November 1943 das Frauen-Siechenhaus 8 gänzlich und das Frauenhaus 9 teilweise, über Wochen fielen Gas und Heizung aus. Die Anstaltsleitung reagierte auf den Aufnahmedruck mit einer verstärkten Verlegung in die Provinzialanstalten; allein nach dem Bombenangriff wurden am 8. Dezember 1943 250 Frauen nach Obrawalde verlegt, wo fast alle ermordet wurden.[28][17]

In der Nacht des 21./22. April 1945 erreichte die Erste Belorussische Armee den Bezirk Reinickendorf. Am 24. April 1945 kam es auch auf dem Gelände der Wittenauer Heilstätten zu Kämpfen. An der Position des heutigen Handwerkerhauses (Haus 13) befanden sich Erdbunker und Holzunterstände. Eine Einheit der Wehrmacht mit 17- bis 18-jährigen Jungen hatte sich dort verschanzt. Nach etwa ein bis zwei Stunden waren alle tot. Links hinter dem Haupteingang wurden unter extra angepflanzten Birken 30 bis 40 gefallene Rotarmisten beerdigt. Im Mai 1945 wurde ihnen zu Ehren eine hölzerne Gedenktafel errichtet und eine kleine Einweihungsfeier veranstaltet, an der auch der Wittenauer Bürgermeister Anton Jadasch teilnahm. Die Leichen wurden noch im selben Jahr exhumiert und nach Treptow bzw. Schönholz überführt.[14][29][17]

Bei ihrem Vormarsch befreiten die Rotarmisten viele Konzentrationslager und Zuchthäuser. Auch in den Wittenauer Heilstätten wurden die Tore geöffnet. Dabei ist unklar, ob die sowjetischen Soldaten die Insassen irrtümlich für politische Gefangene hielten oder um die Verbrechen im Rahmen der nationalsozialistischen Rassenhygiene wussten. Als Indiz für Ersteres werden die Patientenkleidung und aufgefundene Akten mit dem Aufdruck „Pol.“, der allerdings „Einweisung durch die Polizei“ bedeutet, aufgeführt. Es heißt, dass im Anschluss ein Patient über mehrere Wochen den Direktorposten innehatte.[14][29][17]

1945 bis 1990

 

Nach dem Krieg wurden die Patienten vom sich entwickelnden Schwarzmarkt abgeschnitten. Hunger und Infektionskrankheiten führten so zu einem enormen Anstieg der Mortalität. Allein zwischen Kriegsende und Dezember 1945 starben 1.608 Kranke. 1946 und 1947 war die Lage ähnlich schlimm. Die vielen Toten wurden auf Karren gestapelt und auf dem Anstaltsfriedhof in Massengräbern beigesetzt. Während in anderen Städten schon früh große Strafverfahren wegen der Psychiatrieverbrechen geführt oder zumindest intensive Ermittlungen eingeleitet wurden, vertuschte und vernachlässigte Berlin dieses Thema.[17][20]

Nach dem Krieg wurde Fritz Balluff als Ärztlicher Leiter eingesetzt. Auf seinen ausdrücklichen Wunsch wurde Karl Bonhoeffer, der schon seit Mitte Januar 1946 die Klinik bei Diagnosen beriet, im April 1946 mit 78 Jahren zum Dirigierenden Arzt der Wittenauer Heilstätten ernannt. Nach Bonhoeffers Tod am 4. Dezember 1948 blieb Balluff Ärztlicher Leiter, 1952 wurde sein Titel zu Ärztlicher Direktor aufgewertet. Erst in den 1950er Jahren sollte sich die ärztliche Versorgung wieder verbessern. 1949 wurde eine Krankenpflegeschule angegliedert, deren Abschlüsse ab 1959 staatlich anerkannt wurden.[30][31][27]

Durch die Teilung Berlins waren die Wittenauer Heilstätten jahrelang das einzige psychiatrische Krankenhaus in West-Berlin neben der Universitäts-Psychiatrie. Der Mauerbau 1961 erschwerte die stationäre Versorgung psychisch Kranker nochmals. Zur Entlastung von chronisch Kranken wurden daher in verschiedenen Stadtteilen in Villen Großfamilien-Pflegestellen eingerichtet. Die erste dieser Außenstellen war 1950 das DRK-Heim Tannengrund (Königstraße 40) in Zehlendorf, es folgen 1959 Birkenhain (Pillkaller Allee 2) in Westend, 1960 Conradshöhe (Eichelhäherstraße 19) im mit K geschriebenen Ortsteil, 1961 Erlengrund (Tannenbergallee 13–15) in Westend und 1964 Rosengarten in Wilmersdorf.[8]

Das Jahr 1957 brachte eine Reihe von Veränderungen: Rudolf Klaue wurde zum Ärztlichen Direktor, es erfolgte die Umbenennung in Karl-Bonhoeffer-Heilstätten und die Einführung von Neuroleptika ermöglichte den Abriss der Mauern um die Patientengärten, später auch die Entfernung der meisten Fenstergitter von den Häusern. 1958 wurde der Anstaltsfriedhof aufgelassen. Unter Klaue wurden die therapeutischen Aktivitäten stark ausgebaut, z. B. Gründung der Abteilungen für Neurologie 1962 und für Rehabilitation 1967 sowie der Außenstelle Neheimer Straße 10 in Tegel für Alkoholkranke.[8][7]

In den 1950er Jahren verschlechterte sich der bauliche Zustand zusehends, besonders der der technischen Anlagen. Durch die Errichtung in einem Zug zeigte sich die Überalterung überall zur gleichen Zeit. Dazu kam der Wandel zum Spezialkrankenhaus mit klinischem Charakter, dem die Anlage nicht entsprechen konnte. Eine Denkschrift von 1961 dokumentiert die unerträglichen Zustände. Eine umfassende bauliche Entwicklungsphase setzte 1959 zunächst zaghaft mit der Renovierung von Haus 5 (Festes Haus) ein. Ein klares Konzept lag ab 1962 mit dem Umbau von Haus 3 vor. Einstige Krankenzimmer wurden in Funktionsräume umgewandelt, die Gebäude komplett unterkellert und an der Rückseite flach anliegende Anbauten zugefügt. Diesem Grundmodell folgten mitunter angepasst nach und nach die übrigen Häuser. Dieser Abschnitt ist eng mit dem Architekten Gerd Hänska verbunden.[9]

 
1982 eröffnetes Bettenhaus

Um den entstehenden, zeitweisen Ausfall von Betten zu kompensieren wurde 1966–69 auf einem westlich von Haus 1 gelegenen Obstgarten ein neues Bettenhaus errichtet. 1963 wurde die erste Beschäftigungstherapeutin eingestellt und 1966 eine Schule für Beschäftigungs- und Arbeitstherapie eingerichtet. Den Wandel zum psychiatrisch-neurologischen Krankenhaus symbolisierte 1967 die Umbenennung in Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik. 1968 wurde die Bonhoeffer-Kirche geweiht. Die angebrachten, metallenen Verse erinnern an Dietrich Bonhoeffer. 1969 begann der Bau des Diagnostikums.[9][10][32][7][33]

Im Todesjahr von Rudolf Klaue, 1970, fand ein Wandel in der Psychiatrie statt: Die Fixierung auf die organischen Umstände psychiatrischer Erkrankungen und die Überschätzung der Wirkung von Psychopharmaka wichen einer Rückbesinnung auf sozialpsychiatrische Methoden. So fiel die Wahl für den neuen Direktor auf den Sozialpsychiater Horst Flegel. Im Mai 1971 trat er seinen Dienst an, nur sechs Monate später wurde der Reformer wieder entlassen. Das Bezirksamt Reinickendorf mit Bürgermeister Herbert Grigers an der Spitze revidierte angesichts des Drucks der Mitarbeiter seine Entscheidung.[34][8]

Der Nachfolger Wolfram Keup versuchte trotzdem den Modernisierungsprozess fortzusetzen, besonders in Richtung dezentraler Betreuung. Unter ihm wurde 1974 das Diagnostikum (medizinisch-technisches Zentrum, zentrale Patientenaufnahme, Archiv, Krankenpflegehelferschule) fertiggestellt. Das sich anschmiegende Küchenhaus folgte 1976. Weil durch die Umwandlung von Krankenzimmern in Funktionsräume die Bettenzahl schrumpfte, begannen 1979 die Arbeiten an einem weiteren Bettenhaus. Keup initiierte noch den Neubau eines Festen Hauses, bevor er im Herbst 1979 seinen Posten niederlegte.[35] Rücktrittsgrund war der z. T. erbitterte Widerstand innerhalb der Psychiatrie.[8][9][36][10]

Aus dem neun Teilnehmer umfassenden Wettbewerb für das Feste Haus ging das Berliner Architektenbüro Joachim Ganz und Wolfgang Rolfes als Sieger hervor, indem sie einige der Ausschreibungskriterien ignorierten und bessere Alternativen vorschlugen. Als Berater diente Wilfried Rasch. Nach ungefähr siebenjähriger Planungsphase begann, dort wo vormals das Erziehungsheim stand, der Bau des Wilhelm-Sander-Hauses für Forensische Psychiatrie. 1987 eröffnet, sollte sich sein medizinischer und architektonischer Ansatz von Hoffnung, Gelassenheit und Hilfe bewähren. Bereits 1981 kamen an der südwestlichen Grundstücksgrenze ein Handwerkerhaus und 1982 das zweite Bettenhaus (Haus 24) hinzu. 1984 begann die Aufarbeitung der Geschichte der Wittenauer Heilstätten während der Zeit des Nationalsozialismus.[10][8][37][38][39][38]

1990 bis heute

 
Übersichtsplan des Standorts Oranienburger Straße

Im Jahr 1994 wurde am Haupteingang eine Bronzetafel angebracht, die der Opfer der nationalsozialistischen Verbrechen der Wittenauer Heilstätten gedenkt.[19] Am 1. Januar 1997 wurde die Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik mit dem Humboldt-Krankenhaus zum Krankenhaus Reinickendorf vereinigt.[3][2] Zum 1. Januar 2001 gingen alle landeseigenen Kliniken, außer dem Krankenhaus des Maßregelvollzugs, im Krankenhauskonzern Vivantes auf.[3] Am 13. März 2002 beschloss die Geschäftsleitung, alle Krankenhäuser nach einem einheitlichen Schema zu benennen, hier fiel die Wahl auf Humboldt-Klinikum, Standort Oranienburger Straße.[40]

Der Umzug der Suchtstation im Jahr 2006 an den Standort Nordgraben des Humboldt-Klinikums stellt das Ende der Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik dar.[3] Am Standort Oranienburger Straße verbleiben eine psychiatrische Ambulanz, die Vivantes-Verwaltung und mehrere Tochterfirmen. Einige Häuser sind an die Stadt Berlin für das Krankenhaus des Maßregelvollzugs vermietet, in anderen sitzen Vereine, Institute und Privatunternehmen.[11][41][2]

2008 wurden rund 90.000 Akten aus den Jahren von 1880 bis 1960 an das Landesarchiv Berlin übergeben.[11][42] Am 3. Mai 2013 richtete das Landesamt für Gesundheit und Soziales Berlin im leerstehenden Haus 25 eine Notunterkunft für Asylbewerber ein.[43] Am 30. Oktober 2018 beschloss der Senat von Berlin, auf dem Gelände das neue Ankunftszentrum für Geflüchtete zu errichten. Für die modularen Unterkünfte müssen Bäume gerodet werden. Die Arbeiten sollen Ende 2019 abgeschlossen sein (Stand Oktober 2018).[44]

Weiteres

Bonhoeffer verfasste das psychiatrische Gutachten über den nach dem Reichstagsbrand (1933) von den nationalsozialistischen Machthabern der Brandstiftung beschuldigten Marinus van der Lubbe, in dem er diesem geistige Zurechnungsfähigkeit bescheinigte.[7]

Ihm gelang es nicht, bei der Verwaltung der Charité die Entlassung der jüdischen Ärzte Paul Jossmann (1891–1978), Arthur Kronfeld (1886–1941), Franz Kramer (1878–1967), Erwin W. Straus (1891–1975) und anderer zu verhindern.

Späte Jahre

Nach 1945

 
Aufnahme Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik, Verwaltungsgebäude der Nervenklinik, erbaut 1880

Im Oktober 1945 wandte sich Karl Bonhoeffer im hohen Alter von 77 Jahren mit der Bitte um einen Forschungsauftrag an den designierten Rektor der Berliner Universität Johannes Stroux, um zum Lebensunterhalt der Familien seiner unversorgten Enkelkinder, die durch die Hinrichtung ihrer Väter ihre Ernährer verloren hatten, beitragen zu können.

Anerkennung als Hochschullehrer 1946

Am 29. Januar 1946 wurde Bonhoeffer auch von der Deutschen Verwaltung für Volksbildung in der Sowjetischen Besatzungszone als Hochschullehrer anerkannt. Karl Bonhoeffer arbeitete als Konsiliarius und Gutachter im Fachbereich Psychiatrie und Nervenheilkunde auch für die Heilstätten Wittenau. Karl Bonhoeffers 1947 als Fahnenabzug fertiggestellte Arbeit Führerpersönlichkeit und Massenwahn erschien posthum 1968.

 
Grabanlage von Karl Bonhoeffer und seiner Ehefrau, geborene Paula von Hase, auf dem Waldfriedhof Heerstraße, Ehrengrab des Landes Berlin
 

Karl Bonhoeffer erlitt im November 1948, im Alter von 80 Jahren, einen Schlaganfall, an dessen Folgen er am 4. Dezember 1948 verstarb.

Bonhoeffer fand seine letzte Ruhe auf dem Waldfriedhof Heerstraße, in der (Abt. II Ur W 12, 286/87). Hier wurde auch seine, am 1. Februar 1951 verstorbene Ehefrau Paula, geborene von Hase, beigesetzt.

 

 

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