Wolfgang lässt schön grüßen

üben, üben, üben

Doping für den Garten

Einen grünen Daumen gibt es nicht einfach geschenkt. Man muss ihn sich erarbeiten, muss sein Grünzeug richtig pflegen, harken, säen und jäten. Und düngen, nicht zu viel und nicht zu wenig: Mit dem Doping für den Garten sollte sich am besten schon zu Beginn der Vegetationsperiode auseinandersetzen, wer später im Sommer saftige Tomaten ernten will. Denn nur wer Gemüse, Obst, Stauden, Rasen und Zierpflanzen ausreichend mit Nährstoffen versorgt, wird das Gärtnerglück aufblühen sehen.

Beim Düngen kann man einiges falsch machen. Man kann zu viel oder zu wenig Dünger einsetzen oder genau die richtige Menge, aber zum falschen Zeitpunkt. Die Auswahl der Nährstoffe für die zu düngenden Pflanzen mit ihren unterschiedlichen Anforderungen muss stimmen. Außerdem sollte der Boden feucht und aufgelockert sein, und an die Umwelt sollte man auch denken. Mancher Hobbygärtner kommt da schnell an seine fachlichen Grenzen.

Der Baumarkt ist leider keine große Hilfe, das vielfältige Sortiment verwirrt mehr, als es nützt. Es gibt Rosen-, Rasen-, Kräuter- und Hortensiendünger, flüssig oder als Granulat, man findet industriell gewonnenen Kompost, Hornspäne, Blaukorn und natürlich veganen Dünger auf rein pflanzlicher Basis. Literweise Bodenaktivator und Moosvernichter stapeln sich in den Regalen, manche schwören auf Rinder- oder Pferdedung oder neuerdings sogar Schafwollpellets. Wem das alles zu kompliziert ist, greift zum Universaldünger und benutzt den dann irgendwie.

»Düngung ist mit das Komplexeste«, sagt Marianne Scheu-Helgert, die Leiterin der Bayerischen Gartenakademie in Veitshöchheim bei Würzburg. Spricht man mit ihr über die gehegten Planquadrate, dann wird sie zunächst einmal grundsätzlich. Weniger ist mehr, lautet ihre erste Empfehlung. Und: Nicht alle Pflanzen brauchen Unterstützung. »Rasen und Gemüsebeete sind Bereiche, bei denen man als Hobbygärtner über Dünger nachdenken sollte«, sagt sie.

Obstbäume und Stauden hingegen versorgen sich in der Regel selbst, dort sollte man nicht nachhelfen. Außerdem empfiehlt sie, auf Dünger mit Phosphor zu verzichten. »80 Prozent der Gärten sind mit Phosphat überversorgt«, sagt sie. Ohnehin seien die meisten Böden überdüngt, daher bräuchte es keine zusätzlichen Mikronährstoffe. Auch Kalzium ist in den Böden meist ausreichend vorhanden.

Wer es genau wissen möchte, kann eine Bodenanalyse vornehmen, bevor er im Garten loslegt. Es gibt zahlreiche Labore, die hier ihre Hilfe anbieten; der ideale Zeitpunkt für ihre Arbeit ist der Spätherbst oder das zeitige Frühjahr. Marianne Scheu-Helgert ist allerdings kein Fan solcher Bodenproben im Privatgarten. Nicht nur stehe der Aufwand nicht im Verhältnis zum Nutzen, solche Untersuchungen würden zudem auch häufig falsch vorgenommen. So sei es zum Beispiel wichtig, den Boden auf dem Weg vom Garten bis ins Labor zu kühlen. Sonst würde das Ergebnis verfälscht.

Aber warum muss man im Garten überhaupt mit Nährstoffen nachhelfen? Dünger braucht es eigentlich nur, weil der Nährstoffkreislauf hier unterbrochen ist. Grasschnitt, Laub und andere Pflanzenreste landen viel zu häufig im Müll. Dadurch können die darin enthaltenen Nährstoffe nicht zurück in den Boden gelangen. Kompost macht Doping aus dem Baumarkt und die damit verbundene Buckelei überflüssig – und die Umwelt glücklich. Denn organischer Dünger verursacht weniger Treibhausgase als Mineraldünger, und die Nährstoffe werden nicht so schnell in den Untergrund ausgewaschen. Humus verbessert das Bodengefüge und die Wasserhaltefähigkeit, belüftet lehmige Böden und aktiviert das Bodenleben. Auch Marianne Scheu-Helgert befürwortet den Kompost aus dem Garten, sie empfiehlt, maximal drei Liter pro Quadratmeter großflächig zu verteilen.

Gartenbauexperten unterscheiden Makronährstoffe von Mikronährstoffen. Zu ersteren zählt man die Hauptnährelemente einer jeden Pflanze, die im so genannten NPK-Dünger enthalten sind. Die Kurzformel steht für die Elemente Stickstoff, Phosphor und Kalium, hiervon brauchen Pflanzen große Mengen. Der Nachweis ihrer wachstumsfördernden Wirkung gelang dem Chemiker Justus von Liebig erstmals im 19. Jahrhundert. Zudem werden Magnesium, Schwefel und Kalzium zu den Makronährstoffen gezählt.

Mikronährstoffe werden auch als Spurenelemente bezeichnet, hierunter fallen Kupfer, Zink, Eisen, Mangan und andere Elemente. Fehlen Nährstoffe, macht sich das an der Pflanze schnell bemerkbar: Blätter und Blüten werden welk oder sterben ab, das Gewebe erschlafft, mitunter stellt sie ihr Wachstum ein. Es gibt typische Symptome für bestimmte Mangelerscheinungen – und mittlerweile verschiedene Apps, die bei der Bestimmung helfen können.

Der wichtigste Nährstoff ist Stickstoff. Die Pflanze benötigt ihn hauptsächlich für das Wachstum von Trieben und Blättern, er ist Baustein der Proteine und kommt im Erbgut sowie im Chlorophyll vor. Die natürliche Stickstoffquelle des Bodens ist Humus, der kontinuierlich von Mikroorganismen zersetzt wird, wodurch der organisch gebundene Stickstoff für die Pflanze verfügbar wird.

Die Menge von Stickstoff im Boden kann stark schwanken, weil er schnell ausgewaschen wird. Das liegt daran, dass Stickstoff meist als Nitrat vorliegt. Nitrat, chemisch NO3, ist im Gegensatz zu Kaliumoxid und Phosphat ein negativ geladenes Molekül, das von den ebenfalls negativ geladenen Bodenteilchen kaum festgehalten werden kann. Die optimale Dosierung von Stickstoff stellt somit höhere Anforderungen als die der anderen Hauptnährstoffe, und schon eine geringe Unter- oder Überversorgung kann zu Mangel- oder Überschusssymptomen führen. Der Experte erkennt beides recht schnell: Ein Mangel sorgt für dünne Triebe und geringe Verzweigung, zudem werden alte Blätter gelb, weil der Stickstoff in jüngeres Gewebe verlagert wird. Ein Zuviel an Stickstoff führt zu üppigem Laubwachstum, weichem Gewebe – und einer dadurch erhöhten Anfälligkeit für Schädlinge und Krankheiten.

»Man braucht immer dann Stickstoff, wenn man viel saftige Pflanzenmasse aufbauen möchte«, lautet der Merksatz von Marianne Scheu-Helgert. Kohlsorten, Brokkoli, Kartoffeln, Rosenkohl, Wirsing und Tomaten benötigen viel Stickstoff, 20 bis 30 Gramm pro Quadratmeter – sie werden Starkzehrer genannt.

Schwachzehrer wie Bohnen, Salate, Kräuter, Radieschen, Karotten, Zwiebeln und Meerrettich benötigen eher weniger. Nachlesen lassen sich die Empfehlungen für jede Pflanze im Leitfaden für die Düngung im Garten der Bayerischen Versuchsanstalt.

Gartenexpertin Scheu-Helgert verwendet handelsüblichen Horngries, den sie schon bei der Pflanzung in den Boden einbringt. Solche Hornprodukte enthalten 12 bis 14 Prozent Stickstoff, sie gelten als besonders stickstoffreich und sind organisch gebunden, daher zersetzen sie sich langsamer als Kunstdünger.

Sie stammen – und da sollte man sich nichts vormachen – aus Schlachtabfällen, von abgetrennten Klauen und Hörnern, meist importiert aus Brasilien. Horn-, Blut- und Knochenmehl bietet der Handel ebenfalls an, doch wer eine empfindliche Nase hat, sollte darauf besser verzichten.

Ebenfalls weniger geeignet sind Scheu-Helgert zufolge Hornspäne. Die haben die schlechte Eigenschaft, sich zu langsam zu zersetzen. Ist die Pflanze schließlich aufgegangen, empfiehlt die Gartenexpertin, noch eine Schippe Stickstoffdünger im Beet nachzulegen.

Vegane Alternativen für die Hornprodukte sind zum Beispiel Maltaflor, ein Abfallprodukt der Malzherstellung. Manche verwenden auch Rizinusschrot, doch da er giftig ist, gefährdet er Kinder und Hunde. Empfehlenswert sind dagegen garantiert ungefährliche Schafwollpellets aus dem ökologischen Gartenbau.

Kunstdünger ist ebenfalls geeignet, eine Verteufelung nicht angebracht. Allerdings muss sich jeder erdverbundene Gärtner im Klaren darüber sein, dass synthetische Düngemittel mit hohem Energieaufwand, meist aus fossilen Ressourcen, hergestellt werden.

Blaukorn ist ein beliebter wie umstrittener Mineraldünger mit den drei wichtigsten Hauptnährstoffen. Sein Einsatz ist nur geboten, wenn die Pflanzen Stickstoff wirklich brauchen. Sonst werden die Nitrate in den Boden gespült und belasten das Grundwasser.

Insofern ist Timing das A und O jeder Düngung. Die Faustformel lautet: nur dann düngen, wenn die Pflanze es nötig hat. Die Grunddüngung mit Stickstoff erfolgt zu Beginn der Vegetationsperiode, nachdüngen sollte man erst, wenn eine Pflanze richtig aufgegangen ist.

Phosphat, Kalium und Magnesium werden meist einmalig zu Beginn der Wachstumsphase verabreicht. Da sie wegen ihrer positiven Ladung länger im Boden bleiben und deutlich langsamer ausgewaschen werden, ist eine Nachdüngung nur selten erforderlich. Wer bei empfindlichen Pflanzen keinen Fehler machen möchte, greift aber lieber zu Spezialdüngern, bei denen die Kombination der Nährstoffe ideal auf die Bedürfnisse der Pflanze abgestimmt sind. Rhododendron oder Narzissen beispielsweise bevorzugen ein saures Milieu und damit wenig Kalk.

Auch Asche ist für solche Gewächse ungeeignet.

Seit einiger Zeit entsorgen immer mehr Hobbygärtner die Hinterlassenschaften ihrer Holzöfen im Beet. Einerseits ist das eine gute Idee, denn Asche ist der älteste Dünger der Welt. Ganze Ökosysteme sind auf das angewiesen, was Brände hinterlassen. Wo es selten brennt, übernehmen Dünger und Pestizide die Rolle der Asche als Nährstofflieferant. Eigentlich schade, denn sie hat ihre Vorzüge, etwa einen sehr hohen pH-Wert, der sie vor allem für schwere, tonige Böden geeignet macht.

Asche enthält zudem viel leicht lösliches Kalzium, Phosphor und Kalium, die somit im Boden gut verfügbar sind, und sie ist kostenlos. Eine Kalkdüngung im Garten sollte jedoch bloß in abgeernteten Beeten vorgenommen werden, denn Asche könnte sensibles Pflanzengewebe verätzen. Und meist ist das Ausbringen von Branntkalk auch gar nicht notwendig, weil die Böden ja ohnehin überversorgt sind.

Im Kampf gegen lästige Wurzelunkräuter wie Löwenzahn oder Disteln ist Asche dagegen hilfreich – und auch gegen Schädlinge wie Erdflöhe und Blattläuse. Zudem lässt sich unerwünschtes Moos damit vergraulen.

Trotz solcher Vorteile haben Gartenexperten Bedenken, überhaupt zur Aschedüngung zu raten.

Der Grund: Schwermetalle. Problematisch ist insbesondere Kohlenasche, die oft mit Blei und Chrom belastet ist. Holzasche kann ebenfalls Schwermetalle enthalten, selbst wenn man nicht zu jenen Ofenbesitzern gehört, die Möbel oder sogar Schuhe in Flammen aufgehen lassen. Sogar die Asche vermeintlich unbehandelter Holzscheite kann belastet sein. Am ehesten eignen sich Pappel, Erle und Birke, weil diese Gehölze am wenigsten aufnehmen.

Ganz andere Umweltprobleme verursacht hingegen der Rasen. Überhaupt, Rasen entzweit als Thema die ganze Gartenwelt. Denn auch ökologisch werkelnde Hobbygärtner wollen auf einen saftigen, grünen Teppich nicht verzichten, obwohl eine Gänseblümchenwiese für die Umwelt die deutlich bessere Entscheidung wäre.

»Beim saftigen Rasen fängt die Sünde schon an«, sagt Marianne Scheu-Helgert. »Ein Rasen, wie ihn der Herr Lewandowski erwartet, ist eine total künstliche Welt«, sagt sie. »Dagegen ist Silomais eine wahre Umweltfreunde.«

Der satte, fußballerfreundliche Rasen benötigt Unmengen an Stickstoff, Wasser und verursacht jede Menge Arbeit. Zudem sind viele Böden für einen solchen Rasen ohnehin gar nicht geeignet: Am ehesten gedeihen die empfindlichen Grasflächen auf einem sandhaltigen, leicht lehmigen Boden, wie er auch zum Spargelanbau genutzt wird. Denn auf diesem Geläuf können die Grashalme gut atmen, und es bildet sich keine Staunässe.

Wen beim Blick auf seinen stolz erarbeiteten Rasen nun ein schlechtes Gewissen plagt, der könnte nach jedem Rasenmähen an den Grasschnitt denken. Der sollte nicht in der Biotonne landen, sondern auf den Beeten: Rasenschnitt ist kostbarer Dünger. Großflächig verteilen, empfehlen Experten, gerade so, dass der Boden noch durchschaut.

Ähnlich sollte man mit anderem organischem Material verfahren, das im Garten anfällt, etwa Laub oder andere Pflanzenreste, die man großzügig im Beet verteilt. Eine solche Mulchauflage hat mehrere Vorteile. Sie schützt vor direkter Sonneneinstrahlung, hält die Beete feucht und bietet Tieren Unterschlupf und Nahrung.

Schaut man sich in deutschen Gärten um, dann scheint vielerorts noch immer das Prinzip Ordnung zu herrschen – man will einen Garten wohl wie ein Gemälde gestalten, beständig in alle Ewigkeit.

Der traditionelle deutsche Gärtner schafft Ordnung, will Kontrolle behalten und das Unkraut besiegen.

Er mag kein Durcheinander, keine Veränderung, keine Überraschungen und vor allem keine zarten Schleier aus Gartenabfällen, den Mulch.

Dabei würde der dabei helfen, den Garten sein zu lassen, was er eigentlich ist: ein Stück Natur, in dem man über Dünger kaum nachdenken muss.

Doping für den Garten von Andreas Frey

Bayerische Gartenakademie 

Titelbild: Waldfriedhof Potsdamer Chaussee (c) jnw

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