Wolfgang lässt schön grüßen

üben, üben, üben

Hello NAZI

ICH LIEBE DICH ES TUT MIR LEID BITTE VERGIB MIR ICH DANKE DIR The SAME PR-OC 5 LE FIGARO aus VIEHLITZ CROSS OVER SPEED WAY & PORT VITAMIN C ..FORTE …VILLON – PARIS BAR…iiiTON KEN FM % OPA IM SCHWEINE STALL ALBERTA – ALBERTVILLE EDMONTON – EDGAR CARDS Immer, wenn ich drüben sage, meine ich hierWolfgang Neuss in Ost-BerlinRadiofeature 2009 von Volker Kühn Des Deutschen Volkes Recht auf Selbstverstümmelung
13.01.1965

BERLIN Charlie Marx

Äußerlich ähnelt das jüngste Presse-Erzeugnis West-Berlins einer amtlichen Zeitung Ost-Berlins zum Verwechseln: Kopf, Graphik und Format des neuen Blattes, das seit kurzem für 50 Pfennig bei West-Berliner Zeitungshändlern zu haben ist, sind dem Ulbricht-Staatsanzeiger “Neues Deutschland” (ND) nachempfunden.
Im Gegensatz zum Bierernst des “Organs des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlandspflegt dasOrgan des Zentralkomiker-Teams der Satirischen Einheitspartei Deutschlands – so sein Untertitel – jedoch Bierzeitungsstil:
In der Marx-Orden-Vignette, die den Kopf des östlichen Vorbilds schmückt wurde der kinnbärtige Kommunisten-Erzvater gegen den schnurrbärtigen Erzkomiker Charlie Chaplin ausgetauscht.
Der in jeder ND-Ausgabe leitmotivisch wiederkehrende Slogan aus dem kommunistischen Manifest “Proletarier aller Länder, vereinigt euch!” wurde ersetzt durch “Komiker aller Länder, vereinigt euch!” Und aus dem Haupttitel “Neues Deutschland” entstand durch Verzicht auf ein “e” und unter Hinzufügung eines “s”: “Neuss Deutschland”.
Denn Wolfgang Neuss, 41, Kabarettist und Entertainer, ist der geistige Vater des Blattes, das er eine “Zeitung zum Tauschen” nennt.
Helfer: Kabarettist Wolfgang Gruner, Mitglied der “Berliner Stachelschweine”, und Konrad “Jule” Hammer, 1. Vorsitzender des “Förderkreises Kulturzentrum Berlin e.V.”, Veranstalter des Berliner “Gag -Festivals” (SPIEGEL 38/1964) und Produzent des Neuss-Kabaretts “Jüngstes Gerücht”.
Es war während einer “Jüngstes Gerücht”- Vorstellung im Kellerlokal “Domizil” am Lützowplatz, als Neuss durch einen Zuruf aus dem Publikum zum Zeitungsmachen inspiriert wurde: “Mach doch mal ‘ne neue Zeitung – Neuss Deutschland”. Darauf Neuss nach der Vorstellung zu Hammer: “Warum nicht? Kleb doch mal ‘n ,s’ übers ‘e’.”
Sie beschlossen, eine “Satire für den Tag” zu machen und die erste Nummer ihrem Regierenden Bürgermeister Willy Brandt am 18. Dezember zum 51. Geburtstag zu schenken. Die erste und bisher einzige Ausgabe (Auflage: 3000, Herstellungskosten: rund 1000 Mark) enthält denn auch ein fettumrandetes “Tagebuch der Zukunft”, das dem Geburtstagskind gewidmet ist. Am 18. Dezember 1984, so heißt es dort, werde Brandt seit “19 Jahren Kanzler der Bundesrepublik”, sein.
Als Aufmacher druckte das Zentralkomiker-Team unter der Überschrift “Des Deutschen Volkes Recht auf Selbstverstümmelung” einen “Deutschlandplan von Jonathan Swift, 1725” ab. Außerdem veröffentlichten Neuss und Gruner unter anderem einen Beitrag “Weihnachten bei Hermann Göring”, Gedanken zum Thema “Aus der Zyne für die Zyne” und das Photo eines blankgeschliffenen Hackebeils, das unter der Überschrift “Gott hat mitgehackt” als der “Kugelschreiber des Chefredakteurs der Bildzeitung” vorgestellt wird.
Die nächste Ausgabe des Witzblatts soll am 30. Januar erscheinen und “noch mal des Führers gedenken” (Hammer). Sodann wollen Neuss, Hammer und Gruner das Komiker-Organ regelmäßig an jedem Wochenende “sowie zu allen christlichen und nationalen Feiertagen” herausbringen.
“Neuss Deutschland”,”Neues Deutschland”
Aus der Zyne für die Zyne
Das Wolfgang Neuss Buch
18 August 2017
Wer diesen Band nicht gelesen hat, kennt nicht die ganze Geschichte der Bundesrepublik seit der Nachkriegszeit, der weiß auch zu wenig über die Welt des ursprünglichen widerständigen Kabaretts. Neuss ist ein honoriger und unglaublich begabter Wortakrobat, der die Lebenssituation im zerbombten Deutschland und in der geteilten Stadt Berlin, die ganzen Kompromisse und erzwungenen Brüche mit der deutschen Bevölkerung teilte. Er verlor nie die Idee der Gerechtigkeit und des humanen Miteinanders aus dem Blick, aber es war ihm gegeben , nie verbissen zu sein, sondern seinem Spieltrieb so nachzugeben, dass er ein und dasselbe Objekt von unterschiedlichen Stellen ironisch beleuchtete, so dass jeder sieht und jeden Popanz nackt dastehen ließ. Das war einer, der nie verbarg, dass er menschliche Schwächen hatte. Erst wenn man einige der Texte gelesen und manches Programm bei youtube wieder gesehen hat, insbesondere den wunderbaren “Kellerkinder”-Film, sieht man, dass auch der später von Alkohol und Kiffen beschädigte Mann ein kluger und redlicher Mann war, der noch zahnlos Würde hatte. Ich liebe ihn dafür, dass er den Deutschen, die unter der Trennung litten, ein Denkmal gesetzt hat, kein heroisches, ein menschiches. Und dafür dass er mit Findigkeit und Projektgeist immer neue Versuche unternahm, die deutsche Teilung zu überwinden, nicht als salbadernder Möchtegern-Gesamtdeutscher, sondern als politisch denkender Kreativer mit Bodenhaftung. — Alle Schritte vom Amüsierbetrieb in der Soldatenzeit bis hin zu den brillanten Kabarettprogrammen sind hier nachgezeichnet, und selten ist einem Herausgeber ein größeres Lob zu machen. Denn kennen tat nahezu jeder “den Neuss” und das “Neuss Deutschland” in den Sechzigern und frühen Siebzigern, auch den Schauspieler und Werbeakteur Neuss, der sogar in diesen Spots noch die grotesken Seiten der geteilten Stadt zu zeigen wußte. Aber das Werk in Gänze zu dokumentieren und durch die zeitgeschichtlichen Annotationen auch zukünftigen und noch nicht historisch erfahrenen Lesern zu erschließen, das ist überaus wertvoll, es wäre sonst verschwunden. Er war eine Lachsalve gegen erstickte Demokratie. Die bekannten Namen der Wegbegleiter aus den “Stachelschweinen” und der “Lach- und Schießgesellschaft” haben sich überwiegend zähmen lassen, er nicht. – Unbedingt lesen.

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