Wolfgang lässt schön grüßen

üben, üben, üben

GROKO

Die Machtsüchtigen – warum die SPD ihre Führungsspitze loswerden muss

07.September 1914:

“Gegenstand vieler Unterhaltungen waren in diesen Tagen auch die Sozialdemokraten der verschiedenen Länder. Selbst der brave gütige alte Professor v. Stieler wurde ganz grimmig gegen mich, als ich meinte, die deutschen Sozialdemokraten hätten sich mit ihrer Haltung das Grab gegraben. Freilich konnte ich ihm das nicht so plausibel machen, wie ich es sehe: daß sie nämlich in allen Jahren vorher schon die inkonsequenteste Politik getrieben haben, die sie fortgesetzt zwischen ihren Werbereden und ihren Taten in Konflikt brachte, daß sie den Militäretat stets verweigerten, dann aber die Milliarden-Vermögenssteuer für Militärzwecke bewilligten und endlich dem Kriegskredit zustimmten. Ich behaupte, der Krieg wäre, in seinem jetzigen Umfang wenigstens, vermieden worden, wenn ebenso wie in Frankreich auch in Deutschland der Wille zum Frieden als unbedingtes Erfordernis der Volkswohlfahrt bei den Arbeiterpolitikern bestanden hätte. Aber bei allen internationalen Sozialistenkongressen ist der Antrag der Franzosen, Engländer und Schweden an den Deutschen gescheitert, drohender Kriegsgefahr durch gleichzeitige Proklamierung des Generalstreiks in den beteiligten Ländern zu begegnen. Die Furcht vor solcher Entschlossenheit hätte in Paris, London und Berlin genügt, um die den Krieg einleitenden Handlungen – in diesem Falle das Ultimatum Österreichs an Serbien – zu verhindern. Die Antwort auf diese Behauptung lautete stets „Lächerlich! Im Gegenteil, die deutschen Arbeiter hätten selbst den Krieg erzwungen. Man sieht ja, mit welcher Begeisterung sie dabei sind und von Anfang an mitgetan haben.“ Ja, seit der Krieg im Gange ist. Seitdem wird ihnen jeder Widerstand als Irrsinn hingestellt. Vorher war die Stimmung aber sehr anders. Noch in den letzten Julitagen fanden überall in Deutschland protestierende Massenversammlungen statt, die sehr energisch gegen den Krieg Stellung nahmen und in Berlin, Stuttgart etc. zu Straßendemonstrationen führten. Mit so gestimmten Arbeitern war ohne Schwierigkeit auch der Generalstreik zu machen, hätten die Führer gewollt. – Jetzt aber schreiben dieselben Leute, die damals alles Unheil vom Kriege weissagten, auch im Falle des Sieges, begeisterte Hymnen auf die „große Zeit“. Arg soll es den deutschen Delegierten gegangen sein, die mit den italienischen Sozialisten – offenbar als Sprachrohr der deutschen Regierung – verhandeln sollten, um sie zu dreibundfreundlicher Haltung zu bewegen. Die Herren Haase, Ledebour und Südekum kamen nach Rom und erhielten von ihren Genossen den Bescheid, die deutsche Sozialdemokratie habe mit der Berliner und Wiener Regierung gemeinsame Sache gemacht und also das Recht verwirkt, als internationale Genossen behandelt zu werden. Freilich haben die Signori Turati und Konsorten, die beim Tripoliskrieg begeistert bewilligten, was die italienische Regierung wollte, wenig Anlaß, sich aufs hohe Roß zu setzen. Aber Recht geschah es den rötlichen Deutschen doch.”

“Erich Mühsam Tagebücher 07.September 1914”

GroKO verhindern…

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