Wolfgang lässt schön grüßen

üben, üben, üben

„Labyrinth Deutsche Einheit“

love-revolution

The Making of Kabarett [2000]

Das letzte große Rätsel der Menschheitsgeschichte ist, wie es zu einem Kabarettprogramm kommt. Zumindest drängt sich dem Kabarettisten diese Frage immer wieder auf, ist sie doch die am häufigsten an ihn herangetragene. Weil die Welt als eine ungeheure Ansammlung kabarettreifen Blödsinns erscheint, ist es also die Aufgabe des Kabarettisten, auszuwählen aus der Unmenge des Stoffes. Da gibt es Literatur und Kollegen, von denen Passendes zu stehlen, zu kopieren und zu variieren ist. Das Wichtigste aber ist zwangsläufig die Wirklichkeit, das Leben in einem umfassenden Sinn. Denn das Leben schreibt die spannendsten Geschichten, das weiß doch heut ein jeder und sagts einem auch. »Gell«, sagen die Leute, »das ist doch eine gute Zeit fürs Kabarett, der Stoff liegt auf der Straße, ihr müßt ihn nur aufsammeln.«
Die Leute haben recht. »Ich könnt Ihnen Geschichten erzählen«, sagen die Leute, »die sind viel verrückter als Ihr Programm.« Denn was die Leute in ihrem Alltag erleben, stellt die Kunst schwer in den Schatten. Das Leben ist prall und bunt, die Bühne bietet dagegen nur schalen Ersatz.
mutti merkel
Trost schenkt mir, daß die Leute, die all das wirklich Komische, Absurde und Tragische erleben, zu wenig Zeit haben, es aufzuschreiben oder einfach öffentlich zu erzählen. Dadurch kann unsereins bei der bedrohlichen Konkurrenz durch die Leute doch noch sich durchmogeln mit seinen kleinen Geschichten, die so erbärmlich abstinken gegen die Erfahrungen all der anderen Leute.
M.BELTZ
Quelle: Eigenes Konto. Wenn alles sich rechnet + niemand bezahlt. .TRANSIT: Berlin 2000, S. 59
rainbow herz

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