Wolfgang lässt schön grüßen

üben, üben, üben

UTE ERB Schulter an Schulter

UTE ERB SCHULTER AN SCHULTER
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WIR ANGSTHASEN
Die Zensur schleicht und schleicht und schleicht. Dies die neuen Fälle, die als das bezeichnet werden sollten, was sie sind: Maßnahmen, die nicht nur die geistige Freiheit bedrohen.
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Auch im Osten bekannt
Fritz Teufels Händel mit den Vopos

Von Horst Rieck tommy-haus
15. Dezember 1967, 7:00 Uhr
Diese Landgendarmen, sie lesen keine Zeitung, entschuldigte sich der Vorgesetzte eines Polizeioffiziers und tat Abbitte bei Fritz Teufel, Dieter Kunzelmann, Rainer Langhans und der Schriftstellerin Ute Erb für erlittenes Unrecht, das unwissende Gesetzeshüter auf Geheiß ihres Offiziers den Kommunarden zugefügt hatten. Dann wurde sein Blick ernst: „Genossen, die Partei verfolgt euren mutigen Kampf, ich gratuliere.“ Ort der Handlung: ein Polizeirevier in Ostberlin. neuss-teufel

Wenn es stimmt, was die Kommunarden erzählen, und es gibt keinen Grund, daran zu zweifeln, hat sich am letzten Freitag, in der auch für Kommunarden weniger populären Weltstadthälfte, folgendes zugetragen.

Zwei Monate waren um, der obligatorische Besuch bei der chinesischen Botschaft in Ostberlin fällig. Nicht die Sorge um neue Mao-Bibeln – 5000 Fibeln liegen noch auf Abruf im Kommunedomizil –, sondern der Wunsch nach permanenter Diskussion trieb die unerschrockenen vier nach Karlshorst, einem Ziel, für dessen Erreichung auch von maoistischen Lebensgemeinschaftlern umfangreiche Reisevorbereitungen vonnöten sind, die in diesem Fall bis an die Grenze der Selbstverleugnung gehen.

Während irdische Sektoren reisende ihren Tascheninhalt zuvor von Antikommunismus jeglicher Art befreien, zupften sich die Kommunarden die Maoplakette vom Rockaufschlag, um Ulbrichts Grenzwächter nicht zu ärgern. Dermaßen abgerüstet, begaben sich die Kommunarden zur Vertretung des großen Bruders zum chinesischen Tee. Über den Inhalt der Gespräche, wer wen des Revisionismus bezichtigte, schweigen sich die Reisenden aus. Zuviel steht ihnen auf dem revolutionären Spiel. Um so lieber erzählen sie von Aufmerksamkeiten, die die Volkspolizei ihnen an ihrem zweiten Reiseziel, auf dem Ostberliner Weihnachtsmarkt an der Karl-Marx-Allee, widmete.

Stets in Sorge um eine wirklich repressionsfreie Erziehung seiner Tochter Grischa, wollte sich Vater Kunzelmann, die Onkel Rainer Langhans und Fritz Teufel, beraten von Mutter Ute Erb, davon überzeugen, ob auf dem Ostberliner Weihnachtsmarkt sozialistische Spielmöglichkeiten zu finden seien. Doch noch bevor sich die besorgten Erzieher ein rechtes Bild vom sozialistischen Spiel machen konnten, bewiesen rund hundert Jugendliche, wie gut sie das Westfernsehen empfangen. Sie umringten die Bildschirmbekannten Kommunarden, bewunderten die Lockenpracht von Langhans und den Weihnachtsmannbart von Teufel. Schnell war man beim Fachsimpeln über Vopos hier und Schupos drüben. Sind auch die Schwierigkeiten anderer Natur, die Trübseligkeit gemeinsamer Erfahrungen war gesamtdeutsch. Kunzelmann rauft sich heute sein Haar: „Was sollten wir machen, wir konnten ihnen nicht helfen!“

Unter den Christbäumen erfuhren die Kommunarden, was DDR-Hippies quält. Da ist die Schere auf jedem Voporevier, die all denen droht, deren Haarlänge der sozialistischen Moral widerspricht. Da ist der Mangel an geeigneten Treffpunkten für Outsider, so daß der Weihnachtsmarkt alljährlich sehnlichst erwartet wird, obwohl die Volkspolizisten mit Sprechfunkgeräten ausgerüstet durchs Kinderparadies patrouillieren.
Sie waren auch zur Stelle, als sich die Kommunarden mit ihren östlichen Brüdern zu einem Erinnerungsphoto mit dem Weihnachtsmann stellen wolltet …
Ohne zu wissen, wen sie vor sich hatten, verboten die Vopos der Kommune das weitere Verweilen auf dem Weihnachtsmarkt und führten sie ins Revier.
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