Wolfgang lässt schön grüßen

üben, üben, üben

Donnerwetter

Verdi und die zwei Anläufe  

Von Klaus Geitel

  klaus geitel
Selbst große Meister können sich irren. Verdi jedenfalls war 1857 fest davon überzeugt, dass sich sein neues Werk “Simon Boccanegra” in Venedig hören und sehen lassen könne. Er sah sich enttäuscht. Das Publikum biss nicht an. Es kehrte dem Werk den Rücken. Verdi konstatierte (in einem Brief an die Gräfin Mattei) bitter, Boccanegra sei in Venedig beinahe ein größeres Fiasko gewesen als vier Jahre zuvor die “Traviata”.
Die Jahre gingen ins italienische Land. Der Ruhm Verdis wuchs weiter über alle Grenzen hinaus. “Aida” hatte bereits Kairo unterworfen. “Otello” stand noch in weiter Ferne. Da aber knöpfte sich Verdi auf gutes Zureden seines Verlegers noch einmal den “Simon Boccanegra” vor, und Arrigo Boito kam als Librettist zu Hilfe.
Er schrieb in das Werk den großen musikalischen Aufruf zur Einheit hinein, dem kein Menschenherz diesseits oder jenseits der italienischen Grenzen zu widerstehen verstand: ein furioser Appell zur Aufhebung selbst der zementiertesten Gegensätze. Er klang wie ein Hymnus auf die ganz Grosse Koalition, wie sie offenbar nur die Musik schaffen kann.
Er griff offenbar selbst Verdi ans Herz.
Vierundzwanzig Jahre lang hatte er die Mailänder Scala unversöhnlich bestreikt und bekriegt. Er hatte ihr seit “Giovanna d’Arco” (1845) keines seiner Werke mehr zur Uraufführung überlassen. Er war nach Paris und London, nach St. Petersburg und selbst nach Kairo ausgewichen. Mit der Revision seiner Zweitfassung des “Simon Boccanegra” kehrte er nun ins Zentrum des heimischen Musiklebens zurück und blieb ihm hinfort treu bis zum Tode. Boccanegra offenbarte sich den Milanesen, aber bald schon nicht mehr einzig ihnen, als ein Meisterwerk. Sozusagen im Bass-Versteck. Die tiefen Stimmen regieren. deutsche oper
Donnerwetter – in der Spielzeit 1968/69 waren das in der Deutschen Oper unter Lorin Maazels Leitung die von Ingvar Wixell,
Martti Talvela
und José van Dam, denen der Sopran von Gundula Janowitz wie aus anderen, überirdischen Welten entgegen klang.

Und doch war die Oper mehr als einzig ein Fest für Stimmen.
“Simon Boccanegra”
macht ernst mit der Oper. Verdi geht in die Attacke über.
Auch so kann Politik klingen.
lo shu2
Simon Boccanegra
Quelle: 26.10.2006, 04:00 Berliner Morgenpost
bienen-hp2016
DONNERWETTER. Wir können hier richtig doitsch diskutieren. Richtig deutsch. Habt ihr alle aufgepasst, wie klug Rüdiger Daniel &
Dibs Film
“Neuss Testament” designed hat?

AB MINUTE 16.55 ERWÄHNT WOLFGANG NEUSS WAS KLAUS GEITEL ÜBER IHN SCHREIBT

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