Wolfgang lässt schön grüßen

üben, üben, üben

GRUPPE 47

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Hans Magnus Enzensberger
Als Gruppe 47
werden die Teilnehmer an den deutschsprachigen Schriftstellertreffen bezeichnet, zu denen Hans Werner Richter von 1947 bis 1967 einlud.
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Die Treffen dienten der gegenseitigen Kritik der vorgelesenen Texte und der Förderung junger, noch unbekannter Autoren. Der in demokratischer Abstimmung ermittelte Preis der Gruppe 47 erwies sich für viele Ausgezeichnete als Beginn ihrer literarischen Karriere.
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Günter Grass
Die Gruppe 47 besaß keine Organisationsform, keine feste Mitgliederliste und kein literarisches Programm, wurde aber stark durch Richters Einladungspraxis geprägt. Bundesarchiv_B_145_Bild-F062164-0004,_Bonn,_Heinrich_Böll
Heinrich Böll
Der Name Gruppe 47 entstand erst im Anschluss an das erste Treffen, als Hans Werner Richter plante, die Veranstaltung regelmäßig zu wiederholen. Der Schriftsteller und Kritiker Hans Georg Brenner schlug den Namen in Analogie zur spanischen Generación del 98 vor. Richter, der jede Organisationsform der Treffen ablehnte, ob „Verein, Club, Verband, Akademie“ stimmte dem Vorschlag zu: „‚Gruppe 47‘, das ist ja völlig unverbindlich und besagt eigentlich gar nichts.“
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Wen er zu den Treffen der Gruppe einlud, entschied Richter persönlich: „Es ist mein Freundeskreis. […] jetzt gebe ich einmal im Jahr ein Fest, […] das nennt man die Gruppe 47 […]. Und ich lade alle Leute ein, die mir passen, die mit mir befreundet sind.“ Damit ließ er Einflussnahme von außen auf die später kritisierte Einladungspraxis von vornherein gar nicht zu. Nach Heinz Ludwig Arnold, der mehrfach über die Gruppe 47 publizierte, war die Stärke Richters, der weder als Schriftsteller noch als Kritiker größere Bedeutung erlangt habe und bei seinen beiden eigenen Lesungen in der Kritik der Gruppe durchfiel, sein Organisationstalent.
Der Erfolg der Gruppe 47 wurde für Richter zur Lebensaufgabe. Ulrike_Meinhof_als_junge_Journalistin_(retuschiert)
Erst 1962, zum 15. Jahrestag der Entstehung, formulierte Richter rückblickend die „ideellen Ausgangspunkte“ der Gruppe 47:
1 Bardo° „demokratische Elitenbildung auf dem Gebiet der Literatur und der Publizistik;“
2 Bardo° „die praktisch angewandte Methode der Demokratie einem Kreis von Individualisten immer wieder zu demonstrieren mit der Hoffnung der Fernwirkung und der vielleicht sehr viel späteren Breiten- und Massenwirkung;“
3 Bardo° „beide Ziele zu erreichen ohne Programm, ohne Verein, ohne Organisation und ohne irgendeinem kollektiven Denken Vorschub zu leisten.“
Mit dem Wandel des politischen Klimas in den 1960er Jahren und der zunehmenden Etablierung der Gruppe veränderte sich auch die Richtung der Kritik. Ab Mai 1966 wandten sich in der Zeitschrift konkret politisch links orientierte Kritiker gegen die Gruppe 47. In folgenden Ausgaben warf Hans Erich Nossack der Gruppe „literarische Prostitution“ vor und kritisierte „[e]ine synthetische Literatur, die ihre Produkte allein nach technischer Perfektion bewertet und jedes politische, gesellschaftliche und menschliche Engagement als unkünstlerisch verwirft.“ Robert Neumann sprach von einer „um ihre frühere Potenz kastrierte Gruppe“, die einem „Consensus des Klüngels“ gehorche, und griff namentlich Hans Werner Richter an, bei dem es „zu keinem kraftgenialischen Furz“ reiche. Neumann schloss sich dem ein Jahr zuvor verstorbenen Walter Widmer an, nach dem „die Gruppe 47 sich selbst verraten hat, als sie Literaturbörse wurde“, und endete mit der Forderung: „diese Berliner Spezis gehören abserviert.“
Während Martin Walser die Gruppenschmähung ironisch als „Mund-zu-Mund-Beatmung“ für eine bereits siechende Gruppe 47 begriff, verteidigte Walter Höllerer die Vereinigung ernsthaft und argumentativ gegen die Angriffe, erkannte aber selbst: „Gruppenangriff, Gruppenverteidigung, ein im Grunde sinnloses Geschäft […] gegenüber zwei Autoren [Nossack und Neumann], die, was die Politik anbetrifft, in keinem die Angegriffenen entgegengesetzten Lager stehen: – diese Notwendigkeit ist nicht nur absurd, sie ist traurig.“
In einem im Oktober 1967 verfassten Leitartikel trennte Ulrike Meinhof die politischen Lager allerdings deutlich. Im Unterschied zu einer neuen Generation von Schriftstellern, die sich als radikal links begriffen, sei die Gruppe 47 „nie linker als die SPD gewesen“, und stelle sich „als Sozialdemokratie unter der Literatur und den deutschen Schriftstellern dar.“

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