Wolfgang lässt schön grüßen

üben, üben, üben

Toulouse or not to loose

Toulouse

Pastel
Isatis_tinctoria_(s._str.)_sl2
Indigo
330px-Isatis_tinctoria_habitus
In der Renaissance (etwa 1450 bis 1550) zählte Toulouse zu den reichsten Städten Frankreichs. Pastel (isatis tinctoria), eine Pflanze, die damals den einzigen beständigen blauen Farbstoff lieferte, gedieh auf den kalkhaltigen Böden des südöstlich der Stadt gelegenen Lauragais besonders gut. Bedeutende Profanbauten der Pastelgroßhändler im Renaissance-Stil, wie beispielsweise das Hôtel d’Assézat oder das Hôtel de Bernuy, entstanden in dieser Zeit. Die beherrschende Marktstellung der Stadt endete allmählich nach 1550, als die Portugiesen begannen, aus ihren Kolonien das preisgünstigere Indigo zu importieren.
330px-Indigofera_tinctoria0
Die Blätter enthalten das farblose Glykosid Indican, das nach der Ernte enzymatisch in Zucker und Indoxyl gespalten und zu Indigo oxidiert wird (Fermentation). Die vollständige Umwandlung nach einem Färbevorgang nimmt etliche Stunden in Anspruch. Die Behauptung, hiervon leite sich der Ausdruck blaumachen ab, ist nur eine von mehreren ungesicherten Vermutungen (siehe hierzu den Artikel Blauer Montag).
die wühlmäuse 2
Waidanbau in Thüringen
In Deutschland wird der Färberwaid seit dem 9. Jahrhundert hauptsächlich in Thüringen angebaut.
Die Stadt Erfurt erlangte als Zentrum des Waidhandels Macht und Reichtum, ebenso wie die anderen Waidstädte. Zur Verarbeitung waren Waidmühlen erforderlich.
In Thüringen, so auch im Raum Pferdingsleben, wurde Färberwaid auf Flächen von rund 50 Acker (etwa 11,5 ha) in Brachfeldern angebaut. 330px-Isatis_tinctoria_habitus
Dadurch wurde die durch Karl den Großen eingeführte Dreifelderwirtschaft durchbrochen. Die Aussaat erfolgte in der Vor- und Nachweihnachtszeit auf den Schnee in Breitsaat. Mit zunehmender Verbesserung der Pflegebedingungen wurde wegen Optimierung des Saatguteinsatzes in Reihensaat übergegangen.
maulheldbüro
Dabei säte man auf einer Fläche von 1 Gothaer Acker (etwa 2270 m²) ½ Erfurter Metze (etwa 14,9 l) Saatgut.
330px-Isatis_tinctoria_habitus
Mit dem Sprießen der Pflanzen begann unter Einsatz von vielen Arbeitskräften die mühsame Unkrautbekämpfung.
Zur Erntezeit rutschten die Bauern und ihre zahlreichen Hilfskräfte, etwa Wanderarbeiter aus der Lausitz, auf Knien von Pflanze zu Pflanze und hieben mit dem meißelähnlichen Waideisen dicht über der Wurzel die möglichst noch geschlossene Blattrosette ab. Drei bis vier Mal im Jahr wiederholte sich der Vorgang. Dann wurden die Waidblätter gewaschen, angetrocknet und zur Waidmühle gebracht. Dort wurde das senkrecht stehende Mühlrad, oft aus Seeberger Sandstein, von Zugtieren im Kreis gedreht, wobei die Pflanzen in der Mühlpfanne zerquetscht wurden. Die entstandene breiige Masse wurde sodann auf Haufen fest zusammengeschlagen und in den wettergeschützten Tennen der Scheunen einen Tag lang liegen gelassen.
maulheld-blau
Dabei begann die Zersetzung der Pflanzen in einer Gärung, die zur chemischen Umsetzung führte. Frauen und Kinder formten nun aus dem Brei etwa faustgroße Klöße, deren Größe vom jeweilig geltenden Recht abhing.
Die Klöße wurden auf Horden getrocknet, die in überdachte Waiddarren geschoben wurden. Nach zwei bis drei sonnigen Trocknungstagen karrte man den Waid zum vorgeschriebenen Markt, anfangs z. B. aus Pferdingsleben nach Gotha, später nach (Bad) Langensalza und Erfurt.
Er durfte in den Dörfern nicht gelagert werden. Der Anbau und die Verarbeitung des Färberwaids zu Indigo waren allerdings nicht unproblematisch. In Zeiten großer Hungersnöte verbrauchte der Waidanbau ausgedehnte landwirtschaftlich nutzbare Flächen.
Das Gewerbe verursachte mit den Gärungs- und Färbeprozessen einen bestialischen Gestank und das Abwasser wurde stark belastet. Der ästhetische Mehrwert blauer Kleidung wog diese Nachteile aber offensichtlich auf. In der Folge des Dreißigjährigen Krieges und durch die Konkurrenz des billig importierten Indigo verlor der Waidanbau allmählich seine Bedeutung. Anfang des 20. Jahrhunderts stellte die letzte Waidmühle in Pferdingsleben ihre Arbeit ein.
bild-22670-resimage_v-variantBig16x9_w-1216
Das neusste vom SCHATZmeister auf MDR Sonntag
Der Film “Die Pest, die Angst und der Schatz von Erfurt” zeichnet die dramatischen Tage aus dem Jahr 1349 nach. Wer waren die Anführer des Mobs? Was waren ihre Motive? Wie kann es sein, dass an einem Tag in einer Stadt über 1.000 Menschen getötet werden? Erhalten gebliebene Verhörprotokolle nennen die Namen von Mördern und Opfern – die Dokumentation erzählt ihre Geschichte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

%d Bloggern gefällt das: